Sand. Heiss. Autsch. Heiss. Autsch. Heiss.
25.10. Der asiatische Baustil an sich ist nicht so ganz das, was wir Europaeer bestaendig nennen wuerden. Gute, dauerhafte und stabile Baustoffe wie Holz, Sperrholz und Wellblech bilden den Hauptteil der Haeuser in den Doerfern und Vorstaedten, und wenn einmal gerade nicht das richtige Wellblechstueck zur Hand ist tut’s als Ersatzwand fuer die Huette auch mal das ueberdimensionale Pepsiplakat aus Pappe, was neulich noch am Ortseingang hin.
Alles in allem also eine Baukultur, die nach staendiger Erneuerung draengt. Grosse Ausnahme sind die Tempel, aber das ist ja auch verstaendlich: Da baut man lieber einmal nen richtigen, der auch paar Generationen haelt. Dann muss man die naechsten paar Wiedergeburten schon nicht extra einen neuen bauen!
Um so erstaunlicher, dass es hier eine ganze Stadt auf den Weltkulturerbe-Status gebracht hat. Die Rede ist von Luang Prabang, wo wir seit ein paar Tagen hausen. Des Raetsels Loesung: Die Franzosen haben da die Finger im Spiel gehabt. Wie bei so ziemlich allem, was in Asien bestand hat waren auch hier wieder irgendwelche Weissen dran beteiligt. Hoert sich jetzt doof an, aber es ist so. Alle Staedte, die architektonisch was hermachen (oder mal gemacht haben und immer noch stehen) stehen irgendwie unter weissem Einfluss. Als Beispiele: Pondycherry in Indien oder Luang Prabang in Laos (–> Franzosen), die historische Hafenstadt von Jakarta (–> Hollaender), Melakka in Malaysia (–> die Briten), die historische Altstadt von Manila (–> Spanien) usw. . Fairerweise muss man gestehen dass die Weissen auch oft die Finger im Spiel, wenn es darum geht die Staedte wieder kaputtzumachen. Das errinnert ein bisschen an den Sandkasten im Kindergarten: Die coolen Kids holen sich alle Baukloetze und bauen einen schoenen, grossen Turm, um ihn dann kaputtzumachen. Und die anderen Kids sitzen nebendran und schauen zu. Das sind in diesem Falle die Laoten.

Es ist jetzt bei weitem nicht so, dass Luang Prabang mehr hermacht als Braeunlingen, Bad Muenstereifel oder Bonn-Suedstadt; Gott bewahre! Nur steht Luang Prabang halt in Asien, und da gibts so was mit gepflegten Strassen und Haeusern nicht so oft. Begruendung siehe oben.
Luang Prabang war mal vor hundert Jahren so ein Chill-Out fuer gestresste Franzosen, die ganz weit weg von der Welt sein wollten. Das konnten sie hier gut, denn die Reise von Saigon (oder Ho-Chi-Minh-City fuer die Altkommunisten unter euch) nach Luang Prabang per Mekong-Boot dauerte genau so lang wie die Reise von Saigon nach Frankreich. Weit genug weg von allem also, um sich mal ungestoert ‘nen Joint drehen zu koennen.
Ganz Laos war mal franzoesisches Protektorat; das ist so was wie ne Kolonie, die sich freiwillig unterordnet. Im Fall von Laos, damit die boesen Thais nicht einfallen, man waehlt halt das kleinere Uebel.
Den franzoesischen Einfluss sieht man auch in einigen Details noch: Die Laoten spielen Boul, fahren rechts und man findet sogar Rotwein und franzoesisches Baguette. Brot, richtiges Brot!! Auch das asiatische Wort fuer Weisse kommt daher: „Farang“ (oder in der anderen Schreibweise Falang, was fuer die Aussprache uebrigens keinen Unterschied macht…) kommt schicht und einfach von francais.
Das Savoir-Vivre der Franzosen haben die Laoten gerne uebernommen. Der gemeine Laot stirbt eher nicht am Stressmagen, wie es scheint. Treffpunkte und Fahrzeiten sind sehr relative Sachen, genau so wie Arbeitsmoral und Kundenservice. Im Lonely Planet steht ein Sprichwort: Der Thai laesst den Reis wachsen, der Kambodianer sieht dabei zu, und der Laote hoert zu.
Allerdings scheinen mir die meisten nicht sehr konzentriert bei der Sache zu sein beim Zuhoeren. Ist ja auch anstrengend.
Ich schaetze mal, die Laoten wuerden gerne mehr Arbeiten. Felder bestellen, Baustellen schmeissen, Holz tragen… unfairerweise nehmen ihnen aber ihre Frauen und Kinder schon die ganze Arbeit weg. Na, dann eben nicht. Muss ja auch nicht sein.
Nichtsdestotrotz ist es unglaublich gemuetlich und friedlich hier, und wenn man mal ein paar Meter rausradelt in die Doerfer und den Leuten ein bisschen heimlich beim Leben zusieht laesst sich eines nur schwer uebersehen: Die Menschen hier sind definitiv gluecklich!
Es braucht nicht viel, nicht mal intakte Klamotten… nur ein bisschen Dorfgemeinschaft, ein paar Pfuetzen oder ein Ball fuer die Kinder zum Spielen, fuer die Frauen irgendwas zum schaelen oder knuepfen und fuer die Maenner eine Flasche LaoLao-Whiskey oder ein Kartenspiel – und die Leute haben Spass an sich und miteinander, und sie Pflegen einen sehr freundlichen und friedlichen Umgang nicht nur zu Auswaertigen, sondern auch untereinander.
Je weiter weg von den Touristenorten, desto offener und neidloser gehen die Menschen mit einem um, waehrend die in den Touriarealen oft schon die Dollarzeichen in den Augen haben wenn sie mit einem Reden. Das ist sehr schade, gibt es doch vielen Menschen einen verfaelschten Eindruck von diesem herrlichen Land mit seinen herrlichen Menschen. Aber auch dieses Verhalten, so fuerchte ich, haben wir Farang nach Asien importiert.
NACHTRAG: Gerade hab ich noch in den Blog von den Maedels reingeblaettert und erfeut gesehen, das auch Steffi was ueber Land und Leute verfasst hat (und by the way auch noch erzaehlt was wir so erlebt haben). Da Maedchen ja oft ganz andere Worte fuer so was finden bitte ich jeden der die letzten drei Abschnitte inhaltlich nochmal naeher erlaeutert haben will bei www.needasistkeinroundtheworldticket.wordpress.com reinzuspicken!
Das Spiel auf dem Bild nennt sich Kataw („Katau“) und ist so was wie der Laotische Volkssport: Ein Bastball wird mit Fuessen und Kopf ueber ein Netz gespielt, die Regeln entsprechen eigentlich den Volleyballregeln.