Scholti war Reisen…

Dezember 16, 2007

Ein Hauch von Tibet

Gespeichert unter: Uncategorized — scholti @ 3:13

 12.12. 3900 Meter vom hoechsten Punkt bis runter zum Yangtze, und knappe 30
Kilometer lang ist der “Tiger Leaping Gorge”. Nicht nur einer der schoensten
Treks der Welt, sondern auch akut vom aussterben bedroht, genau wie die Tiger
selber: Die atemberaubende Schlucht wird ab dem naechsten Jahr Opfer eines
dieser groessenwahnsinnigen chinesischen Staudammprojekte. Damit werden nicht
nur die Teppiche von etwa 100 000 Chinesen feucht, sondern auch die einmalige
Schlucht ist -im Sinne des Wortes- dem Untergang geweiht.
Also schnell noch mal hin; und dann nach mir die Sintflut!
Ich habe gluecklicherweise schon zu Beginn der zweitaegigen Wanderung Anton
kennengelernt, einen sympathischen jungen Ingenieur aus Muenchen mit dem ich
mich zusammengerauft habe. Nette Gesellschaft, und dann auch noch Deutsch
sprechen duerfen – und das in einer Gegend wo man die Westler zur Zeit ohnehin
mit der Lupe suchen muss… echter Luxus!

Tja, ueber den Trek selber kann man gar nicht so viel erzaehlen. Stellt euch
einfach die tollste Schlucht vor, die ihr je gesehn habt, dann stellt geistig
ein paar malerische fuenfeinhalbtausender drumherum und setzt -fuer die
Farbflecken- noch eine handvoll bunt angezogener Bergbewohner mit ebenso bunten
Pferden dazu. Fertig.
Alles weitere sagen die Bilder im StudiVZ (da ich den gesamten Blog gerade
wegen der chinesischen Zensur via Knut in Deutschland hochladen lasse (Danke!)
gibts hier keine Bilder! Sorry! Beschwerden an die chinesische Regierung!).

“Tiger Leaping Gorge” heisst uebrigens uebersetzt so was wie
Tigersprungschlucht. Der ein oder andere Badener mag hellhoerig werden – Ja,
die Schlucht hat die gleiche Geschichte wie die Hirschsprungschlucht bei
Freiburg: irgendwann ist hier -angeblich- mal ein Tiger auf der Flucht vor
seinen Haeschern ueber die Schlucht gesprungen und entkommen. Die Welt ist sooo
einfallslos!
Allerdings koennen Tiger in dem Fall noch ein gutes Stueck besser springen als
Hirsche. Aber sie sterben trotzdem aus. Genau wie die Schlucht. Ach ja, das
hatten wir ja schon…
Na, wie dem auch sei: Wenn ihr zufaellig grade in China seid kommt bald mal
vorbei. Sonst muss man wohl ein paar Jahre warten mit dem Trekken, bis
Terroristen oder die Amis den Damm in die Luft bomben.

Anton ist nicht nur ein netter Kerl, sondern spricht auch ziemlich gut
Mandarin (ein Segen in einem Land von Fremdsprachenlegasthenikern!). Ausserdem
konnte er mir einen ganzen Haufen an Backgroundinfos ueber China geben, weil
seine Freundin Chinesin ist und er auch schon laenger hier gelebt hat. Infos,
die man so als Touri nur schwierig bekommt, ueber Land und Leute und Politik
und so. Keine Sorge, ich lasse mich jetzt nicht drueber aus … wuerde hier den
Rahmen sprengen. Nur soviel – uns Deutschen gehts besser. Irgendwie. Und vor
allem wissen wir das wenigstens.

Und wenn man schon mal so schoen nah an Tibet ist, warum nicht noch naeher
dran… seit heute bin ich in Zhongdian oder auch Shrangri-La. Das ist zwar
noch nicht politisch-geographisch in Tibet, aber das wars dann auch schon: Die
Leute sprechen tibetisch, sehen Tibetisch aus und essen Tibetisch, und Moenche
hats da auch noch. Nur ein Tibet-Visum brauch ich hier nicht!
Und natuerlich gibts mal wieder eine malerische Altstadt, tolle Berge und ganz
wenige Grad Celsius und ein bisschen Schnee und ein bisschen Eis – es
weihnachtet sehr!

Die chinesische Regierung verfolgt eine Umsiedelungspolitik, die Han-Chinesen
(Mehrheitsstamm) in Tibet ansiedelt und Tibeter aussiedelt, um das Risiko von
Aufstaenden zu verringern – mittlerweile leben mehr Tibeter ausserhalb Tibets
als innerhalb, und in Tibet selber leben ueber 50% Han-Chinesen…


15.12. Chinesen heizen nicht. Bestenfalls wird ein Topf mit heissen Kohlen
unter den Tisch gestellt, aber eine richtige Heizung? Nee…
Geht auch fast nicht, weil die meisten Cafes eine offene Seite haben, und die
meisten Guesthouses Holzkonstruktionen sind und somit schlecht isolierbar. In
warmen Gegenden ist das auch vollkommen adaequat. Aber wenn man in den Bergen
rumsitzt und die Aussentemperatur ein gutes Stueck unter Null ist ist das ein
bisschen… na ja … kalt halt. Man sitzt also schon mal mit Pulli, Jacke,
Schal und Handschuhen beim Abendessen.

Mein Guesthouse hat grossspurig heisses Wasser versprochen, fuer mich alten
Warmduscher. Aber als ich dann abends nur meine Zaehne putzen wollte, stellte
sich heraus das fast alle Wasserleitungen im Haus zugefroren waren. Nachdem ich
dann in einer Odysee durchs Haus wirklich noch einen funktionierenden Hahn
gefunden hatte kam gleich die naechste Herausforderung: Die Eisdecke im Kloloch
durch warmen Urin soweit aufzutauen, dass man abspuelen kann…

 Zurueck aus Shangri-La, bin ich wieder in Lijiang aufgeschlagen und hab einen
netten Abend mit einem selbstmoerderischen Hardcore-Rafting-Guide aus den USA,
einer Polin auf buddhistischer Pilgerreise und einem netten
Chinesenmedizinerpaerchen verbracht. Interessant war, dass die Chinesen bei so
ziemlich allen politischen Themen angeblich nichts verstanden haben, obwohl ihr
Englisch ansonsten gar nicht soo schlecht war. Aber irgendwie ist da eine
Blockade in der Denke, wenn es um Themen wie Staudaemme, Aussenpolitik oder
Pressezensur geht. Meinte Anton auch schon: Die Leute werden quasi von
Kindesbeinen so erzogen, dass sie Dinge nicht Hinterfragen und sich einfach
auch nicht dafuer zu interessieren haben.

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