18.12. Ich war dann noch zwei Tage in Dali, wieder eins von diesen alten Bergnestern. Als ich einmal Abends durch die Strassen gewackelt bin, Gitarre auf dem Ruecken, wurde ich vom Chef einer Live-Musik-Bar angesprochen und quasi direkt auf die Buehne gezerrt, um dort ein Stelldichein zu geben. Nachdem ich dann brav mein Lied gespielt habe hat mich der Chef dann auch brav auf ein Bier oder zwei eingeladen. Leider sprach er wie ueblich gar kein Englisch, und nach dem groben „Where-are-you-from?“ und „was-heisst-Prost-auf-Chinesisch?“-Kram wurde das Gespraech dann etwas duenn. Das nahm der Chef dann zum Anlass, mir diverse Bilder von Mao-Tse-Tung zu zeigen (auf Geldscheinen, als Handylogo etc.) und mich nach meiner Meinung zu Onkel Mao zu fragen. Wessen Bier ich trink, dessen Spruch ich sag … „jaja, war schon toll, der Mao“ … ich haette gern noch so was angefuegt wie „…genau wie Hitler und Stalin!“. Aber der Sarkasmus waere so ziemlich ins leere Gelaufen, und mir waere stattdessend zustimmend zugeprostet worden. Stalin hat schliesslich auch nur das Kommunistending probiert, und vor Hitler („Schie-de-ler“) haben die Chinesen genau wie viele andere Asiaten einen grossen Respekt ob seiner Effizienz als Fuehrer. Nee, schon ein feiner Kerl, der Mao. Da muss man mal ueber ein paar Massenmorde und 30 Milionen Hungertote hinwegsehen koennen! (Das ist schliesslich so nebensaechlich, dass es in China nicht mal auf dem Schullehrplan steht…). Ich hab mittlerweile verstanden, was Kommunismus ist: Kommunismus ist die verschaerfte Form von Kapitalismus plus eine Rote Fahne plus mindestens ein Massenmord – voila! Trekken war ich dann auch nochmal in Dali (und ich bin in einer bayrischen Gondel wieder vom Berg runtergefahren, einschliesslich Beethoven-Musik! DAS ist Heimatfeeling! Year!). Des weiteren hab ich noch einen Schlag netter Leute, ein chinesisches Wuerfeltrinkspiel und ein chinesisches Lied kennengelernt, bevor ich weiter zu meiner letzten Etappe, zur Mitte der Welt: nach Peking geflogen bin. Ja, richtig: Geflogen. Ich hab’s getan. Ich hab geschummelt. Und wurde in Peking dafuer bestraft. Ich kam Nachts an, in einer ziemlich ziemlich grossen Stadt, in der zumindest um diese Uhrzeit alle Menschen mit Englischsprachkenntnissen schon im Bett lagen. Hab den falschen Bus genommen, weil das Schild in unserer Schrift falsch war. Wurde von zwei netten, aber vollkommen inkompetenten Taxifahrern zweimal in die vollkommen falsche Richtung gefahren, nachdem ich „Schlafen“ und „Geld“ und „niedrig“ signalisiert habe und zu zwei viel zu teuren fuenf-Sterne-Hotels weit draussen gefahren wurde. Dann bin ich auf eigene Faust loszogen. Die Loneley Planed-Karte taugt nicht wirklich viel. Die Hilfe der Locals ist immer nett und umfangreich. Und vollkommen nutzlos. Die kleineren Hotels sind von aussen nicht als solche zu erkennen… usw. Was soll ich sagen, ich hab es geschafft, drei Stunden Peking-bei-Nacht zu machen, nach 16 Stunden Reise und mit Gepaeck auf dem Ruecken. Und um ehrlich zu sein: Mann, hat mich das angekotzt… nach aller in Asien antrainierten Gelassenheit war mir das dann doch zuviel. Gut, ich hab dann irgendwann was gefunden. Ich lebe noch und hab sogar mittlerweile ein bisschen geschlafen. Peking ist die letze Station meiner Reise. In vier Tagen geht es nach hause, und dass ist auch gut so. Wie es eine polnische Travellerin in Dali passend sagte, nachdem ich an einem Chinesen vorbeigegangen bin und ueberlegt hab ob ich ihn kenne: „Wenn Du anfaengst, die Locals auseinanderhalten zu koennen ist es Zeit heimzukehren!“
Ach so, ja: Sie rotzen auch auf Flughaefenboeden und in Busse, Internetcafes und auf den Mittelgang im Flugzeug. Sie rotzen einfach immer und ueberall. Auch die Frauen.
Dezember 18, 2007
Ente bei Nacht
2 Kommentare »
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Eigentlich schade, dass Du heimkommst. Werde den täglichen Blick auf Deine Seite und ihre das Sarkastische streifende Ironie vermissen.
Vorschlag: Pfleg sie doch einfach aus Deutschland weiter z.B. mit Deinen Erlebnissen beim Trecken im Siebengebirge…
Dein Pap
Kommentar von Dietmar — Dezember 18, 2007 @ 12:34
Die beliebtesten Deutschen in China sind übrigens 1. Kahn, 2. Hi-te-le und 3. Ba-la-k (Reihenfolge entsprechend der Zahl der Nennungen durch chinesische Taxifahrer, nachdem sie herausgefunden haben, dass man Deutscher ist). Einmal hatte ich sogar einen Taxifahrer, der die 74er Weltmeisterelf kannte. Allerdings ging es eine Weile, bis ich kapiert hatte, wer „Lummenigge“ und „Beckenbauel“ sind. Schwierig war es auch immer, den Chinesen zu erkären, dass Hiter doch nicht so toll ist.
Dass Taxi fahren in Peking schwierig ist, kann ich bestätigen. Hab nachts für den Heimweg mal 2 Taxifahrer gebraucht, und bin trotzdem nur in die Nähe meines Hostels gekommen. Die letzten Meter hab ich dann auf dem Fahrrad-Gepäckträger eines netten Chinesen zurückgelegt, der schon auf dem Weg zur Arbeit war.
Find ich übrigens höchst beeindruckend, dass Du in ein paar Wochen China auch den ganzen Mist erlebst, für den ich ein halbes Jahr gebraucht hab!
Hoffe, Du kannst die europäischen Gesichter noch auseinanderhalten, wenn Du wieder nach Hause kommst! Freu mich schon auf ne Runde Würfeltrinkspiel mit Qingtao-Bier oder Whiskey mit grünem Tee
Viel Spaß noch!
Chris
Kommentar von Chris — Dezember 19, 2007 @ 1:47