20.12. Ein interessantes Phaenomen, wenn es Menschen eigentlich zu gut geht: Man will sich gegen alle kleinen Moeglichen Schicksalsschlaege absichern.
Bei Sachen wie Kranken- und Rentenversicherungen mag das ja noch ganz nett gedacht sein … schliesslich ist das Leben voll von wirren, und auch kluge Koepfe haben sich schon mal verrechnet oder eine unvorhergesehene Krankheit bekommen und sind froh, wenn die Haerten des Schicksals dann ein bisschen ausgeglichen werden. Aber auf der anderen Seite neigen wohlhabende Gesellschaften auch gerne zur Uebertreibung, was diese Dinge angeht.
Soziale Verhaltensregeln werden durch Gesetze ersetzt, und Freiheiten werden durch Regel und Hinweise eingeschraenkt, weil es ja immer diese wenigen geben koennte die die Regeln mutwillig brechen. Und die allgemeine Faehigkeit zum Mitdenken wird gerne auf ein Mindestmass reduziert, um ungewollte Eventualitaeten, die der menschliche Geist ob einer falschen und irrationalen Nutzung seiner Freiheiten zum Unwohl seiner Selbst und der Allgemeinheit verueben koennte auszumerzen.
China zum Beispiel ist ja ein wohlhabendes Land, wenn man so den asiatischen Masstab anlegt.
Und die Chinesen neigen dazu, ein Meer von Schildern aufzustellen, damit man auch fuer alles geruestet ist. Beim Trekken in Dali standen z.b. ueber knappe 15 Kilometer steinerne Hinweisschilder am Wegesrand, die einen alle paar Meter darauf hinwiesen „Kein Feuer“ „Fallende Steine“ „Nicht klettern“ „Achtung Abgrund“ und wieder von vorne… danke fuer das Naturfeeling. Ich weiss nicht, aber wenn ich trekken gehe … also zu Fuss den Bergkamm entlang – und dann nicht weiss das in einem Bergkamm von der einen Seite Steine kommen koennten die an der anderen Seite wieder herunterfallen koennten..?! Wo ist da die natuerliche Selektion? Und by the way: Kennt ihr die Darwin-Awards? –> www.darwinawards.com …viel Spass!
Oder Schilder, die an einem den Hang herauffuehrenden Weg stehen und sagen: „Achtung, der Weg koennte Steil sein“. Danke, danke.
Manchmal denkt man wirklich, die halten einen -tschuldigung- fuer zu bloed zum kacken!
Wenn in Laos irgendwo mal einer ein Schild aufgestellt hat, dann wusste man auch gleich: Dieses Schild ist ernstzunehmen, dieses Schild macht Sinn, dieses Schild gehoert da hin. Allein schon, weil der Standartlaot an sich viel zu faul ist, um auch noch nutzlose Schilder aufzustellen.
Wenn man sich dann klarmacht, dass das in Deutschland gar nicht so gross anders ist… danke fuer die zahllosen Hinweise „Kurve links“ oder „Ueberholverbot“ – wer beachtet den Mist schon?! Auch da, wo kein Ueberholverbot ist braucht es doch ein abschaetzendes Auge, ob man ueberholen kann oder nicht, oder? Und wer blind ist, sollte eh nicht Autofahren. Der kann dann ohnehin die Schilder nicht lesen.
In China machts vielleicht wirklich ein bisschen mehr Sinn, den Leuten am Pissoir zu sagen, dass sie eine bessere Trefferchance haben wenn sie naeher treten (auch ein Schild) oder im Sommerpalast bitte keine Knallfroesche oder Schusswaffen dabei haben sollen. Die Leute sind allgemein … na ja … ich sag mal vorsichtig: Nicht darauf erzogen worden, gross mitzudenken. Wirtschaftsmacht China: Ja. Aber nur, wenn an der Spitze Leute stehen die sagen wo’s langgeht. Kein Wunder, dass China vor allem mit geklauten Produkten reich wird und wenig genug eigene Innovation einbringt. Das ist uebrigens nicht nur meine Beobachtung, sondern wurde mir von mehreren ortsansaessigen Weissen auch so erzaehlt.
Und: Freundlich sind sie, hoeflich, angenehm. ja. Aber nicht Ruecksichtsvoll. Definitiv nicht! Die registrieren nicht mal, wenn sie einen ueber den Haufen Rennen/Fahren oder einem (so richtig) auf den Fuss treten oder einem den Gepaecktrolley mit Anlauf in die Haxen fahren oder sich in irgendeiner Schlange vordraengelen. Die gucken einen wegen so was nicht mal an!
Sagen uebrigens umgekeht auch nichts, wenn man sie umrempelt. Hab ich probiert. Klappt.
Steffi hab ich auch wiedergetroffen hier in Peking.
Die Stadt ist krass gross. Kommt einem wahrscheinlich groesser vor, weil man in dem Smog nicht wirklich weit sieht. Aber wir haben heute vom Stadtkern aus satte 90Minuten mit dem Rad gebraucht, bis auch nur die Haeuser kleiner wurden. Und man kann hier wirklich ziemlich fliessend Radfahren, dank reichhaltig ausgebauter Fahrradstrassen.
Irgendwie sind wir beide ein bisschen Reisemuede … das passt ja auch perfekt. Heute der Sommertempel, morgen noch die grosse Mauer. Endspurt. Und ansonsten gammeln wir mit netten Leuten in westlich orientierten Bars rum und leben noch mal in kapitalistischer Dekadenz (nur, um die Vorurteile der Chinesen zu bekraeftigen).
Unsere schoensten Tagesmottos:
„Wir muessen aufhoeren, weniger zu trinken!“
und
„Nicht essen, wenn man Hunger hat. Essen, wenn man nicht mehr Satt ist!“
Also, wie gesagt, wenn man anfaengt, die Locals auseinanderhalten zu koennen weiss man, es ist Zeit heimzugehen!
Mein Flugzeug fliegt auch ohne Ozon!
Wir sollten auch heute dringend aufhören, weniger zu trinken!
Hoffe, Ihr hattet Spaß auf der Mauer…
Kommentar von rOobin — Dezember 21, 2007 @ 9:15
hoffe, du konntest einigermaßen ausschlafen… schade, dass wir erst so spät da waren gestern…
wünsche dir/euch einen guten heimflug, ein frohes fest und natürlich ein ebenso glückliches 2oo8
Kommentar von rOobin — Dezember 22, 2007 @ 6:28
i wish i understood german
Kommentar von Paula H. — April 25, 2008 @ 5:15