Scholti war Reisen…

Februar 28, 2010

The Dalai Lama

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 6:00 vormittags

Leute, das gibt jetzt aber Karmapunkte dass es kracht! Wir haben heut den Dalai Lama gesehen und gehoert!

Aber von vorne.

Gestern bereits haben wir uns das Regierungsviertel der Tibetanischen Exilregierung und den Tempel reingezogen. Drin an die 500 Moenche, die alle dasassen und Ihren Chai getrunken haben waehrend in der Mitte irgendeine Zeremonie lief und Mantras runtergebetet wurden. Insgesamt eine sehr lockere Atmosphere in diesen Tempeln. Da wird durchaus mal gequatscht oder gelacht oder dem Nebenmann ein Klaps gegeben. Der Tempel selber ist -fuer den Sitz des Dalai Lamas- erstaunlich unspektakulaer.

Interessant war noch das tibetische Museum, wo in eindrucksvollen Bildern das Leid der Tibeter seit der chinesischen Besetzung geschildert wird. Wenn man bedenkt, das 90% der tibetanischen Kulturgueter mutwillig zerstoert wurden, 1,2 Millionen der Folter und den Verfolgungen der Chinesen zum Opfer fielen und die Menschenrechtsverletzungen in Tibet auch heute noch unvermittelt weitergehen haette man gut Lust, den Chinesen mal ordentlich einen in die Fresse zu hauen. Nicht so die Tibetaner. Die wollen keine Vergeltung und sagen trotz allem noch, dass die Chinesen ihre Freunde sein koennen. Die wollen einfach nur ihr Land wiederhaben und nicht mehr gefoltert werden. Hoffentlich klappts irgendwann mal…    leider kann wohl niemand in absehbarer Zeit China Weltpolitisch die Stirn bieten, und gut zureden klappt ja bei den Chinesen auch nicht so richtig gut.

Und was wollte ich noch erzaehlen? Ach ja, das Heimspiel vom Dalai Lama heute morgen. Nach relativ laxen Sicherheitskontrollen sammelten sich die Fans in gelbrot zusammen mit den weissen Schlachtenbummlern in der Suedkurve vor dem Tempel, um dem Heimspiel seiner Heiligkeit beizuwohnen. Die ganze Lamaherde im Schneidersitz auf dem Steinboden, und ab und an kamen Moenche vorbei, die einem eine Handvoll Reis oder einen tibetanischen Buttertee (graessliches Zeug) einschenkten. Dann kam Big Boss auf die Buehne, und es wurde erstmal eine halbe Stunde meditiert und mantras gesungen, bevor er seine Rede begann.

Die Rede ging 1 1/2 Stunden und war in tibetisch gehalten, wurde aber im Radio uebertragen und simultan ins Englische uebersetzt; weswegen die Leute, die des tibetanischen nicht ganz so kundig sind ein Radio mitgebracht haben und dem Dalai Lama per Kopfhoerer lauschen konnten. Leider war der Uebersetzer eine ziemliche Vollgasniete. Aber ich schaetze, gute tibetisch-englisch-Simultanuebersetzer gibts auch nicht an jeder Strassenecke.

Um es vorweg zu nehmen – ich habe schon bessere Reden in meinem Leben gehoert, nichtsdestotrotz ist seine Heiligkeit ein eindrucksvoller und erfrischend natuerlicher Mensch. Insgesamt war die ganze Ansprache improvisiert, es war vom Flair her viel eher ein “der nette alte Mann erzaehlt euch jetzt mal was” als ein religioeser Sermon. Manche Gedankengaenge wurden nicht richtig zuende gefuehrt, weil ihm dann wieder ein anderes Thema einfiel zu dem er noch schnell was sagen wollt; zwischendurch wurde auch gelacht.

Besonders in der ersten Haelfte wurde relativ viel ueber weltliche Themen geredet,  und zwar so, dass man die GEdankengaenge auch gut nachvollziehen konnte. Die zweite Halbzeit hat sich leider etwas in den Tiefen der verschiedenen Buddhismusformen verloren und war weniger erleuchtend.

 Ich versuche mal ein paar der vielen Themen auf den Punkt zu bringen:

- seid nett zueinander!

- Praesident Bush war zwar sicher ein grossartiger Fuehrer, aber hatte eine etwas einseitige Politik. Die USA hat versucht Probleme auf einzelne Personen zu projezieren, obwohl das Problem eigentlich ein multifaktorielles ist.

- Chinesen sind auch Menschen

- Seid nett zueinander!

- Kenntnis und Vertaendnis der Naturwissenschaften -namentlich Physik und Psychologie- ist wichtig, um sich ein vernuenftiges und umfassendes Weltbild zu machen (was fuer eine Aussage von einem religioesen Fuehrer! Wann hat die katholische Kirche anerkannt, dass Galilei doch nicht ganz falsch lag? 1996?! )

- Seid nett zueinander!

- Geld macht nicht gluecklich, sondern ungluecklich

- Drogen, Reisen und weltliche Errungenschaften machen fuer den Moment gluecklich, die Basis fuer dauerhaftes Glueck aber kommt von innen und wird durch Meditation erlangt

- Seid nett zueinander!

- jeder hat irgendein Problem, was ihn drueckt. Es kommt nur drauf an ob man dieses Problem zum zentralen Punkt fuer sein Unglueck macht oder ob man es eher beilaeufig zur Kenntnis nimmt, wenn man es nicht aendern kann

- Aerger und Wut sind ganz natuerliche Gefuehle, aber gluecklicher und zufriedener wird der der seinen Aerger ueberwinden kann und ihn nicht auf das Gegenueber projeziert. Der groesste Anteil des Aergernisses entsteht in unserem Kopf und nicht durch die Tat des Anderen selber

- Seid nett zueinander!

…und die schoenste Aussage fiel irgendwann in der Mitte der Rede: Die Moenche und Nonnen und anderen Zuhoerer wurden aufgefordert, nicht alles einfach zu glauben was der Dalai Lama oder der Buddhismus lehrt, sondern ueber alle Aussagen und deren Richtigkeit selber nachzudenken. Ey, wie cool ist das denn?!!! Stellt euch vor der Papst wuerde mal sagen “…also, Kondome und Abtreibung find ich jetzt irgendwie nicht so gut. Aber denkt lieber nochmal selber drueber nach!”

Februar 27, 2010

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 7:29 vormittags

Der Nachtzug hat uns und unsere Israelis um drei Uhr nachts in Chakki Banks rausgelassen, woraufhin wir die dekadenteste Tat unserer gesamten Indienreisen getan haben – wir haben zu vier fuer die Weiterreise nach Dharasalam ein Taxi genommen. Und das nur weil wir keine Lust hatten am Bahnhof zu stehen, zu frieren, Chai zu trinken bis in zwei Stunden der erste Bus fuhr. Das Taxi hat zweieinhalb Stunden ueber menschenleere Strassen (ja! Einmal menschenleere Strassen! juchu!) gebraucht und am Ende tatsaechlich pro Nase krasse 5 Euro gekostet. Gut, einmal kann mans ja machen…

Dafuer standen wir dann um halb sechs morgens im ausgestorbenen Dharasalam, um zu frieren und Chai zu trinken, bis das erste Guesthouse aufmacht.

Nach ausgiebigem Schlaf haben Knut und ich den Tag noch mit einem schoenen Trek auf den naechsten Berg rumgebracht, bei Sonnenschein rauf und im Vollmondlicht runter … haben die Strecke etwas unterschaetzt. Dafuer wunderschoene Landschaften; Bilder folgen demnaechst.

Dharasalam ist der Sitz des Dalai Lama und der tibetanischen Exilregierung. Dementsprechend sind ueber 50% der Einwohner Tibetaner, und Tibetaner sind einfach: Nett. Freundliche, huebsche Menschen, die gut Englisch sprechen und auch noch einen gewissen Humor haben. Zum Wohlfuehlen … insgeamt ein gutes Flair hier, nicht spirituell ueberlagert, sondern einfach friedlich. Schaetze, wir werdens ein paar Tage hier aushalten. Zumal der Dalai Lama himself morgen eine Ansprache haelt, die wir natuerlich nicht verpassen werden.

Saenk you for traewelling with indian railways!

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 7:19 vormittags

Zugfahren in Indien ist ein Kapitel fuer sich, und, ich moechte es gleich vorrausschicken: In keinem Land der Welt macht Zugfahren mehr Spass als in Indien!

Die Indische Bahn ist der groesste Arbeitgeber der Welt, wobei eine nicht geringe Zahl Angesteller damit beschaeftigt sein muss, die interne Buerokratie zu verwalten. Um ein Ticket zu bekommen muss man eine hoch einstellige Zahl von Stunden in einer Warteschlange verbringen, um sich eine Reservation zu machen, dann eine weitere Zahl von Stunden um das Ticket selber zu kaufen. Langstreckentickets gibts nur mit Reservierung, und die sollte mindestens 2Tage vorher stattfinden, sonst gibts wahrscheinlich kein ticket mehr, es sei denn man bekommt ein Ticket aus dem Notfallkontingent (gleiche Leistung fuer mehr Geld) oder aus der “Tourist Quota” – Reservierte Plaetze fuer Touristen. Oder man schummelt, macht das ganze ueber eine Travel Agency und zahlt halt n Euro mehr und spart sich den ganzen Scheiss.Wir sind da ehrlich gesagt ein wenig faul geworden…

Es gibt 7 veschiedene Klassen, von Holzbank zu klimatisiertem Schlafwagen mit eigenen Abteilen ist alles drin, je nach Budget. Unser All-time-favourite ist der Sleeper-3-tier non AC, auf deutsch: Schlafwagen mit 3 Betten uebereinander, alles durch einen offnen Gang miteinander verbunden, keine Klimaanlage. Hat man sein Ticket und seine Reservation, haengt an jedem Wagen eine ausgedruckte Liste mt den namen, und erstaunlicherweise ist das alles dann super zuverlaessig. Die Zuege sind so lang, dass sie fast in zwei Bahnhoefen gleichzeitig halten koennen. Oft halten sie aber auch einfach auf freier Strecke ohne erkennbaren Grund. Dann kann man Aussteigen, sich die Beine vertreten und im Anfahren wieder Aufspringen.

Und warum ist Zugfahren nun toll?

Nun, da standen wir also in Rishikesh vor unserem Zug nach Kashmir. Auf dem Bahnsteig bereits haben wir zwei nette Israelis kennengelernt, die ich auf Ihre Yogamatte angesprochen habe. Spontan habe ich eine Yoga-Lehrstunde am Bahnsteig bekommen, sehr zur Freude der herumstehenden Inder. Ich habe es also doch noch geschafft und Yoga in Rishikesh gemacht! Ich kann jetzt endlich mitreden!

Im Zug haben wir dann noch drei Japanerinnen kennengelernt, die absolut das Klischee verkoerperten: Schuechtern, 1,5m gross, staendig am Photographieren und maessiges bis beschissenes Englisch, aber irgendwie nett.

Na, und dann sitzt man da und schaut aus den vergitterten Zugfenstern ohne Scheibe, oder setzt sich einfach in die offene Tuer und geniesst die Landschaft. Stendig rauschen irgendwelche Wallahs durch den Zug und versorgen einen mit Chai,  Wasser, Snacks oder ganzen Mahlzeiten. Zwischenzeitlich haben wir ein kleines Konzert fuer den Wagen gegeben, mit Gitarre, Knut an der Mundharmonika und einem Israeli auf der Bambusfloete. Dann kamen immer wieder Inder und spielten mit Lieder auf ihrem Handy vor, die ich dann bitte nachspielen sollte. Zwischenzeitlich wurden wir in ein Indisches Kartenspiel (aehnlich “Wizard”) eingebunden, das ein Pulk Informatikstudenten nebenan ausgelssen gespielt hat. Und staendig wird einem von irgendwem irgendwas Angeboten, Kekse, Zigaretten, Bananen … kurz und gut, es ist einfach eine tolle Stimmung in diesen Zuegen, und es passiert staendig irgendwas. Und manchmal kann man sogar schlafen.

Auf jeden Fall koennte sich die Deutsche Bahn mal ein Stueck von der Freude am Fahren abschneiden… in unseren Grossraumwagen setzten sich die Menschen ja wirklich nur nebeneinander, wenn kein Zweierplatz mehr unbelegt ist…

Dann wuerde die Deutsche Bahn sogar vielleicht irgendwann schwarze Zahlen ohne Subventionen schreiben. So wie die Indian Railways.

Februar 25, 2010

Karmapunkte das es kracht!

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 7:36 vormittags

Die Nacht in Massoorie war nicht weiter spektakulaer… mangels Sozialprogramm haben wir uns im Hotel (Verschimmelte Bettdecken, keine Dusche, aaaber einen Fernseher) Austin Powers reingezogen, der so schlecht ist, dass er unter den ganzen Bollywood-Filmen im indischen Fernsehn gar nicht auffaellt. Am Morgen ging es um 6:30Uhr (nach Knut das “Early-bird-Prinzip” auf den Motorraedern zurueck nach Rishikesh, diesmal auf dem Weg ueber die Ebenen und durch eine Grossstadt; bis wir schliesslich Wohlbehalten ankamen und die Maschinen wieder abgegeben haben. 48 Stunden aktive Verkehrsteilnahme in Indien unfallfrei ueberstanden, darunter Autobahnfahrt, Bergfahrt, Stadtdurchquerungen und schlammige Landstrassenpisten. Ich wuerde sagen, wir haben den Indienfuehrerschein damit bestanden. Und die Goetter koennen sich jetzt wieder eine kleine Entspannungspause goennen.

Dann haben wir gerade noch Karmapunkte gesammelt, dass es kracht! Nicht aus religioesen Gruenden, sondern schlicht mangels Dusche sind wir gerade in den Ganges gehuepft und haben uns nach europaeisch-traditionellen Ritualen ordentlich gewaschen. Und welch Glueck- im Direktvergleich war nachher der Ganges dreckiger. Und meine wichtigsten Hautschichten sind auch noch dran!

Knut versucht sich am Yoga am Ganges

…ein Bad im Ganges… mmh, da muessten wir mittlerweile mindestens auf Karmastufe Guerteltier sein, was meinst Du, Knut?

Oh, und noch mehr Karmapunkte gibts wahrscheinlich bei unserem naechsten Reiseziel, Dharamsalam, im Nordosten in der Naehe von Jammu/Kaschmir. Nachdems mit dem Yoga ja nur maessig geklappt hat gehts nun weiter zum Meditieren. Und dann werd ich Knut endlich mal den Unterschied zwischen Nachdenken und Nachschenken beibringen!

Noch mehr kalt. Noch mehr Schnee. Brr. Aber nette Lamas solls da oben geben.

Da simma Dalai, dat is priiima..

Februar 24, 2010

Vamos Himalaya, oh ohooooho…

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 1:37 nachmittags

Nice Guesthouse

Rishikesh haben wir im weiteren genutzt, um kein Yoga mehr zu machen und keine innere Erleuchtung zu finden, sondern mit 2 Motorraedern den Ganges entlangzuheizen (nein, Mama, nicht mit 120 Sachen. Maximal mit 60. Mehr ist Strassentechnisch nicht drin). Wunderschoene Landschaft, muss man mal neidlos anerkennen. Zwischendrin haben wir massig Karma-Punkte gesammelt, indem wir indische Schulkinder per Anhalter transportiert haben. Knut meint wir muessten fuer die Wiedergeburt schon mindestens auf Niveau einer Bisamratte sein.

Des Abends haben wir es dann geschafft ein paar Leute kennenzulernen die sich selbst schon fertig gefunden haben und mit denen man ganz normale Backpackergespraeche fuehren konnte. Wow, das tat gut! Und das schoenste war, dass die Leutchen in einem Guesthouse weit ausserhalb der Stadt residierten und der Wallah dort einen kleinen geheimen Vorrat an Bier hortete, den er (zu horrenden Preisen) an westliche Gaeste verschacherte. In Rishikesh ist Bier naemlich aufgrund der allgemeinen Heiligkeit Alkohol verboten. Unser erstes Bier in Indien! War dringend Zeit! Schliesslich sind wir Germans und haben einen schlechten Ruf zu verlieren!

Dann heute die Weiterreise, wieder mit dem Motorrad. Man macht ja trotz aller Weltlaeufigkeit und Reiseerfahrungen immer noch den Fehler, Entfernungnen massiv zu unterschaetzen. 90km Entfernung auf der Karte und die gutgemeinte Aussage “Takes only 2 1/2 Hours, Mister!” bedeutete 6 Stunden Serpentinenkrabbeln durch den Himalaya. Aber – WAS fuer eine Motorradstrecke! Immer auf der einen oder anderen Seite 1000m Abgrund, manchmal steckte sich die Strasse nur ueber einen schmalen Grad, an den hoechsten Stellen Schnee, herrliche Aussicht von eigentlich jedem Punkt der Piste… gaebe es so eine Strecke in Europa waere sie staendig voll von Motorradfahrern! Hier war sie erfrischend leer, man kann ja auch mal auf hupende Monstertrucks verzichten. Wieviele Hoehenmeter wir heute zurueckgelegt haben und wie hoch die Paesse waren, darueber streiten Knut und ich im Moment noch. Ich sag Bescheid sobald ich Recht hab.

Und ich muss jetzt bei allem Sarkasmus und aller Laesterei (ohne die ein Blog ja auch nicht richtig lesenswert waere) sagen: Was die Inder hier groesstenteils in Handarbeit in die Berge zimmern ist eine Meisterleistung, und die Strassen waren groesstenteils echt gut befahrbar; wenn man die zahlreichen Baustellen und Stellen mit Steinschlag ausser acht laesst. Im Vergleich zu vor 7 Jahren, wo ich das letzte Mal in Nordindien war hat sich schon was getan, vielleicht doch Schwellenland?! Auch die Leute sehen irgendwie besser im Futter aus.

Nun sind wir in Mussoorie, eine ehemalige Hill Station der Englaender tief im Vorgebirge drin. Netter Ort zum Urlaub machen, auch viele Inder kommen im Sommer wegen der Kuehle hier hin. Ich hab Knut noch auf einen Aussichtsberg gepeitscht, und wir haben uns die Zeit in einem Computerspielesalon vertrieben… was Jungs halt so machen … ansonsten ist hier eher der Affe begraben.

Bei einem meiner schoenen braunen, wasserdichten Wildledertrekkingschuhe ist die Sohle abgegangen.

Ich hab ihn dann zu einem von diesen verzottelten Strassen-Schuh-Wallahs gegeben zum reparieren. Er konnte zwar kein Englisch, hat mir dann aber gleich beide Sohlen vernaeht und die Schuhe mal ordentlich poliert.

Jetzt hab ich schoene rote, nicht wasserdichte Glattledertrekkingschuhe. Auch apart. Und das nur fuer 1 Euro 60.

Februar 23, 2010

Badeanstalt

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 7:13 vormittags

Ach ja, vergesst alles was in den letzten Jahren ueber “Indien als Schwellenland” und wirtschaftlichen Aufschwung usw gesagt wurde… Indien ist nach wie vor allenfalls ein Schwellen- und Schlaglochland. Zumindest hat sich am Strassenbild in den letzten 5 Jahren nicht sichtbar was geaendert.

Was sehr viel Freude macht und mir immer wieder positiv auffaellt (auch wenns einen nerven kann): die Strassen und Gassen leben. Hier findet etwas statt. Und allein die Tatsache, dass das Strassenbild von Kindern und Tieren gepraegt ist … eigentlich ein natuerlicher Urzustand. Aber – wo in Deutschland hat man das noch?

Haridwar  ist eine typische nordindische Stadt, ein bisschen schon das Klischee selber. Mit den bekannten Treppen zum Ganges runter, der hier noch frisch und reissen aus den Bergen niederplaetschert, ein paar Tempeln, Maerkten mit den ewig gleichen Kitsch- und Ramschstaenden, Tuch- und Kleidungsladen (alles in bunt) und den unvergleichlichen indischen Strassenkuechen und Chaiwallahs mittendrin.

Die Stadt gilt als heilig, weswegen auch jede Menge Saduhs rumrennen. In Indien sieht man den Saduh als Mann, der sich durch Askese und Meditation ganz auf das nichtphysische Leben zurueckzieht und innere Weisheit zu erlangen versucht.

Da kann man mal sehen, wie eingeschraenkt die europaeische Sichtweise ist – bei uns wuerden diese religioesen Vorreiter einfach als bekiffte alte,  halbnackte, mit Asche beschmierte obdachlose Penner verkannt werden, ohne Ruecksicht auf die innewohnende Weisheit.

Wobei ich bei dem ein oder anderen auch meine Zweifel hab, was die Weisheit angeht. Zumindest erinner ich mich nicht das ein Saduh in den mittlerweile drei Indientrips irgendetwas schlaues zu mir gesagt haette. Aber natuerlich habei ch auch da nur meinen begrenzten europaeischen Blickwinkel.

Haridwar ist alle 12 Jahre uebrigens der Autragungsort des groessten religioesen Festes der Welt, dem Kumb Melah (daher auch das beruehmte Lied “Kumb melah, my lord, kumb melah …”). Hier kommen nicht weniger als 16 Millionen Inder nach Haridwar, um mal so richtig ausgelassen am Ganges plantschen zu gehen. Eine geniale Moeglichkeit, dieses Volk mal zu waschen! Frage ist, ob der Ganges oder die Menschen nachher schmutziger sind…

Ein Karmapunkt. Da isser.

Wie der Zufall so will findet das Kumb melah gerade jetzt statt, wo wir hier sind… zumindest die Aulauefer davon. So haben wir nicht nur eine paechtig kitschig geschmueckte Uferpromenade und kilometerlang angelegte Badestellen gesehen, sondern auch immense Zeltlager in Vorbereitugn der Pilger sowie ein stattliches Militaeraufgebot, das sich auch nicht nehmen liess die Paesse von uns auf offener Strasse zu kontrollieren. Bevors hier aber richtig losgeht mit Hinduwaschungen haben wir uns aus dem Staub gemacht und sind weitergezogen nach Rishikesh.

Rishikesh. Da klingelt was? Richtig! Hier haben die Beatles ihre spirituell- und chemisch bewusstseinserweiternden Erfahrungen gesammelt. Rishikesh ist DIE Hauptstadt des Yogas und der Ashrams, dementsprechend voll von esoterischen, alternativen Hippies. Wir sind dann gestern mal mit so einem Grueppchen im Innenhof unserer Budget-Unterkunft rumgehangen. Waren auch alles ganz nette Leute, die bestimmt ein ganz schoenes und warmes Weltbild haben und keiner Fliege was zuleide tun. Aber mal im Ernst – die haben alle einen an der Schuessel! Nix gegen Yoga, nix gegen Meditation … aber man kanns auch zu weit treiben. Knut und ich haben uns dann irgendwann ausgeklinkt, als ein fuenfzigjaehriger rastaloeckiger Jesus in einem einstuendigen Monolog erlaeuterte, warum Jesus eigentlich Rastafari und Jamaikaner war, und dass Aethiopier die einzig wahren Juden sind usw. waehrend er sich einen Joint nach dem anderen dreht … vielleicht werd ich fuer solche Konversationen auch einfach langsam zu spiessig…  vielleicht gehen wir einfach morgen Trekken oder Motorradfahren oder so was. Ohne Meditation. Mein inneres Ich finde ich nach eignener Einschaetzung doch eher auf irgendnem Berggipfel oder bei 120 auf  der rechten Spur…

India reloaded – Kueheschubsen 2010 !

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 6:49 vormittags

Es faengt ja schon im Flieger an. Bis Bahrain geht noch alles gesittet, ein paar Scheichs, ein paar vollvermummte Ladys im Flieger, aber alle benehmen sich noch normal. Dann steigen die Inder zu, und man sitzt zusammen mit 300 indischen Gastarbeitern aus dem mittleren Osten in einer Maschine. Natuerlich ist man hilfsbereit und hilft den Jungs die Einreisepapiere auszufuellen. Aber das diese dann nicht in die Zeitungstasche im Sitz deponiert, sondern nach dem Verlassen des Flugzeuges mitgenommen werden sollten, darauf koennten sie auch selber kommen. Besonders klassisch der Moment, wo der Flieger auf der Landebahn in Delhi aufgesetzt hat und zeitgleich der ueblich Spruch “please remain seated till the Flugzeug erreicht the final position” … fuer mindestens dreissig Inder eine direkte Aufforderung, sofort aufzuspringen und in den Gepaeckfaechern zu wuehlen. Was einen wutentbrannten, jaehzornigen, ebenfalls indischen Steward mit hochrotem Kopf dazu brachte die Passagiere anzuschreien, sie moegen sich sofort wieder hinsetzen, und “… if you do this in Europe or Canada they come and clap your hands!” ( – mit der Gestik von “Handschellen anlegen” – ).

Ach ja, wieder da!

Aber das wirkliche Indien-feeling kommt auf, sobald man aus dem Flughafen rauskommt und diese unvergleichliche Luft riecht. Indien, das Land der 1000 Gerueche (bzw 100 Grueche und 900 Gestaenke) … Fett, Gewuerze, Strassenstaub, Abgase, Exkremente, Tiergerueche…  dazu die immerwaehrend plaerrende Hindimusik und irgendjemand im Hintergrund, der meint in ein Megaphon meditieren zu muessen, dazu die Kakophonie der Strassenverkehrsordnung nach der Laut-vor-Leise-Vorfahrtsregel… die ewige Anquasselei zwischem netten “Hey-Mister-shake-hands”, bettelndem “Give me one Rupee” und nervigem Schlepperverhalten…   ich weiss immer noch nicht warum ich den Quatsch eigentlich mag … aber schon im Taxi in die Stadt (zusammen mit 2 anderen Backpackern, 4 Taschen und Gitarre) kommt Knut und mir ein dickes Grinsen aufs Gesicht – ja, wir sind wieder daheim! Rein in die Scheisse! :-)

Das wir mittlerweile alte Hasen sind haben wir in Dehli schon ganz gut demonstriert – nix mit ueberteuerte Taxis andrehen lassen, und auch der Taxifahrer, der sich fleissig bemuehte uns mit irgendwelchen Argumenten (“eigentlich sei sein Taxi nur fuer 3 Leute” bzw “Taschen kosten aber Extra”) zusaetzliches Bakshish aus der Tasche zu ziehen stiess auf taube Ohren. Da kann ja jeder kommen! Spricht ja nix dagegen den Leuten ein ordentliches Trinkgeld zu geben. Aber a) sind Taxifahrer eh eher wohlhabend im Vergleich und b) laesst man sich ja auch schon aus Prinzip nicht gern bescheissen.

Glorreich war dann der Durchmarsch durch Delhi – kaum ankommen stellten wir fest dass es mit dem Schlafmangel gerade noch so geht und dass der taeglich fahrende Zug in 15 Minuten abfaehrt. Da Ticketkaufen und -reservieren eine Sache ist, die ohnehin sonst einige Zeit in Anspruch nimmt sind wir einfach zum Zug und haben uns zum Schaffner schleppen lassen und die Leidensmine aufgesetzt; und er hat wirklcih ohne weiteres Aufhebens zwei Plaetze im Zug fuer uns gefunden UND (und jetzt kommt der wirklich interessante Part) hat einen vollkommen korrekten Preis berechnet, und nicht mal ein Trinkgeld angenommen. Woraufhin wir uns die naechsten 4 Stunden im klimatisierten Wagen von diversen Essens- und Teewallahs vollversorgen lassen konnten, bis wir endlich in Haridwar in irgendeinem schaebbigen Hotelzimmer tot umfallen durften.

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