Pakistan gehoerte urspruenglich zu Indien und hat sich -als muslimisches Land- nach der Unabhaengigkeit von den Briten von Indien abgespalten, zusammen mit Bangladesh (das damals noch Ostpakistan hiess). Wegen diverser Probleme im Bezug auf die Grenzziehung und die Umsiedlung von Moslems bzw. Hindus kam es auf beiden Seiten immer wieder zu Massakern und Grenzkriegen, insbesondere um die Region Kaschmir, die zwar groesstenteils muslimisch ist, aber von dem damaligen Herrscher Kaschmirs an Indien angeschlossen werden sollte. Die letzte grosse Grenzkabbelei war 1999, mir der Gefahr der Ausartung in einen nuklearen Krieg. Seiddem haben sich die Lager erfreulicherweise ein wenig beruhigt und aufeinander zubewegt. Vor 3 Jahren hat sogar der erste indisch-pakistanische Grenzuebergang geoeffnet; in der Naehe von Amritsar.
Und der wird jeden Abend bei Sonnenuntergang geschlossen. Und da machen die mal so eine richtige Show draus. Jeden Abend.
Zusammen mit ca 2000 Indern passierten wir mit dem Jeep von Amritsar aus erst Panzerkasernen, dann den guten, altbewaehrten Todesstreifen, mit Minenfeldern und Doppelstacheldraht im Original-DDR-Style. Dann kommt der Grenzuebergang – und jetzt wirds richtig spassig: Jeden Abend treffen sich dort tausende Inder auf der einen und ein paar weniger Pakistanis auf der anderen Seite auf grossen Tribuenen, die beidseits um das Grenztor drapiert sind. Dann wird die Menge durch Hindimusik und einen Animateur auf beiden Seiten aufgestachelt, bis das ganze eine Fussballstadionatmosphere bekommen. Gegenseitig schreien sich die beiden Lager Schlachtrufe zu, wer laenger und lauter schreien kann gewinnt. Vor der eigentlichen Grenzschlusszeremonie rennen aus dem Publikum kommende Maedchen stolz mit indischen Fahnen hin und her, andere tanzen auf der Strasse zu Hindimusik.
Dann faengt die eigentliche Show an – aufgeplusterte Soldaten in Gardeuniform mit Hahnenkamm stolzieren in Charlie-Chaplin-Manier umher, Fuss auf Stirnhoehe; diverse undurchsichtige, aber lustige Bewegungen. Dann wird das Tor aufgemacht, die gegenueberstehenden Soldaten brummeln sich an, machen herablassende Gesten und irgendwelche maennlich-testosterongeschwaengerten Posen. Zum Hoehepunkt werden die beiden Fahnen zeitgleich und gleichschnell eingeholt, und damit ist die Grenze zu und die Massen auf beiden Seiten stroemen nach Hause. Jeden Abend.
Eigentlich waere das ganze gar nicht so sehenswert, waere nicht zu allem die tobende Menge, die an ein wirklich gutes Fussballspiel erinnert. Und trotz der ganzen “Hindustan!”-Schlachtrufe und der Geschichte der verfeindeten Nationen hat das ganze eine sehr friedliche, positive Atmosphere.
Nach einer weiteren wunderbaren Curryschleim-Reismahlzeit haben wir unseren goldnen Tempel Richtung Delhi zum Endspurt unserer Reise verlassen.
Und heute haben sie’s uns nochmal richtig gegeben. Schon im Nachtzug hat irgendein Bloedwallah die ganze Nacht Hindilieder von seinem Handy abgespielt, nur unterbrochen durch die Chaiwallahs, die auch Nachts genauso laut durch den Zug schreien. Dann sind wir morgens in Delhi -Schande ueber uns!- erstmal auf zwei Touristenbescheisserwallahs reingefallen, die uns -unabhaengig voneinander- weismachen wollten sie waeren von irgendeiner Touristeninfo und uns durch die Stadt geschickt haben um da oder dort unser Zugticket nach Agra zu kaufen (was dann in der Folge dazu fuehrt, dass der Typ im Verkaufsbuero behauptet, der Zug waere ausgebucht, um einem dann teurere Tickets oder ein Taxi oder ein Hotel -mit entsprechend provision- zu verschachern). Gekauft haben wir nix, aber mit Gepaeck durch diese heisse, stickige Stadt zu latschen wenn man nicht geschlafen hat ist auch nicht so angenehm. Schande ueber uns, dass wir nach so viel Indien noch auf so Typen reinfallen muessen.
Zudem hatten wir eine grossartige Motorrikshawfahrt, die nicht unerwaehnt bleiben darf… der Motorrikshawwallah ist mit hoechstens 15 km voellig untertourig quer auf der Strasse gefahren, so dass ichs dem gesamten Verkehr um uns rum erstmals nicht uebel genommen habe dass wir staendig angehupt werden. Zwischendurch hat er dann angehalten, um beim Liquorstore eine Flasche billigen Fusel zu kaufen, die er -ungeniert vor unseren Augen- gegen eine leere Flasche billigen Fusel in der Seitentasche ausgetauscht hat. Fragt sich, wie viele Flaschen er schon vorher hatte…
By the way kommt mir da der Gedanke: Was machen Inder eigentlich, wenn sie die Kricketmeisterschaft gewonnen haben?! Im Konvoi durch die Stadt fahren und Hupen???!?!!?!?
Insgesamt wird hier Leute bescheissen und Touristen nerven wieder viel groesser geschrieben als auf dem Land. Heute koennen sie uns echt alle mal -wenn uns noch einer doof kommt kriegt er eine geklatscht! Nix mehr mit Shanti und seid nett zueinander und so!
Vielleicht sollten wir auch nur mal ne Runde schlafen. Oder ein Bier trinken oder zwei.
Ist ja eigentlich auch nett, an unseren letzten zwei Tagen hier auf einmal die Freude auf Deutschland zu triggern … dann steigt man gleich viel lieber in den Flieger.




shanti shanti!?! ich geb dir gleich shanti shanti!!!
Kommentar von knut — März 4, 2010 @ 2:35 pm
Mich würd ja jetzt doch mal interessieren ob es auch negative karmapunkte gibt. Höret sich ja ganz so an als wenn ihr wieder zurueckgefallen seid.
Seid nett zueinander
lg Hanni
Kommentar von Hanni — März 5, 2010 @ 5:24 am
Ja. Zueinander sind wir auch total nett. Aber zu diesen Indern…
nein nein, alles gut. Alles liebe Kerlchen.
Mochtest Du vielleicht ein T-Shirt kaufen? Very cheap? Oder vielleicht eine Rikshawfahrt? Where are you from, by the way? Und ausserdem hab ich da noch ein ganz billiges Hostel; das beste in Town…
Kommentar von Stephan — März 5, 2010 @ 6:16 am