Scholti war Reisen…

Januar 29, 2008

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Dezember 25, 2007

Weihnachtsmorgen in Deutschland.

Gespeichert unter: Uncategorized — scholti @ 7:11

 Tja, nun sitz ich also seit einer Stunde am Computer und sortiere meinen Blog ein bisschen, um später mal, wenn ich noch älter bin eine nette Erinnerung zu haben usw. usf.

 Es ist Weihnachtsmorgen, und jeder anständige Mensch schläft noch, und auch Santa dürfte langsam den grössten Teil der Arbeit getan haben; ausser bei den Moslems, die kriegen nix.

 Mein Körper behauptet standhaft, dass jetzt in China schon Nachmittag ist und damit dringend Zeit, aufzustehen und mit Taxifahrern zu streiten oder in die Gegend zu rotzen… aber hier hat dafür wohl keiner so richtig Verständnis.

 Ist ein komisches Gefühl, wieder daheim zu sein. Es gibt schon ziemlich unterschiedliche Welten zur gleichen Zeit auf der Erde. Alles ist wieder sicher und grau in Deutschland, anonym und organisiert, und irgendwie fühlt sich´s auch normal an -bin ja schliesslich hier gross geworden. Irgendwie auch nicht.

 Was die Reise mir gebracht hat? Nun, einen Haufen hungernder Kinder hab ich nicht gerettet; und ich habe weder die Erleuchtung gefunden noch die Weltformel.

 Nicht mal “mich selber“ hab ich gefunden (wie es immer so schön  heisst). Allerdings zweifle ich mittlerweile auch daran, mich überhaupt verloren zu haben, das ist doch schon mal was.

Nein, Reisen ist zum Einen eine gute Möglichkeit, aus einer kurzen Zeit eine sehr lange zu machen. Die Erfahrungen und täglichen Herausforderungen stellen einen vor immer neue Aufgaben, und das Routineleben, dass die Tage daheim zu einem Einheitsbrei werden lässt kommt einfach nicht auf.

Es ist alles viel dichter und echter.

Ich hab gerade meinen eigenen Blog überflogen und war Selbst erstaunt, wie viele faszinierende Dinge ich wirklich erlebt und mitgenommen habe; und in wievielen Lebenssituationen ich wahrscheinlich auf diese Erfahrungen zurückgreifen können werde, und sei es nur als nette Anekdote. Das ist der eine Punkt.

 Zum Zweiten gibt es Selbstsicherheit. Sicherheit nicht nur im Umgang mit Situationen und Gegebenheiten, sondern auch im sozialen Umgang und im Thema Selbstüberwindung.

 Man muss sich immer wieder auf die Probe stellen, immer wieder neue Menschen -Reisende wie Locals- kennenlernen und mit ihnen klarkommen. Und stellt immer wieder fest, dass es klappt.

Klar, kann man auch Reisen ohne den ganzen Heckmeck. Auch nach Asien. Budgetmässig ist man mit ein wenig mehr Geld bei einer organisierten Tempelglotzertour dabei und schläft in bequemen Luxushotels… aber, hey … ich glaube, dass ist nicht ganz das, von dem ich rede…

 Man lernt drittens soviele alternative -und gleichberechtigt gute- Arten zu leben kennen, dass es fast eine Erleichterung ist zu Wissen, dass man zur Not nicht auf unsere spassarme Leistungsgesellschaft angewiesen ist. Gut, zu wissen, dass man könnte.

  Zum vierten lernt man einfach das Leben an sich wieder schätzen. Es gibt so viele Orte und so viele Situationen, bei denen man sich einfach und unreflektiert nur denkt „geil!“. …und das macht das Leben ja auch ein bisschen aus, oder?

 …ach, es gibt noch viele viele positive Dinge, die ich erfahren habe und mitgenommen habe. Es ist müssig, darüber zu berichten… diejenigen, die derartige Reisen unternommen haben wissen wovon ich rede, und den anderen kann ich die Gesamterfahrung eh nicht in wenigen Worten vermitteln.

Leute, geht reisen!

 Egal, wie alt, egal wie gebunden man im Job oder in der Familie oder wo auch immer ist – es geht immer irgendwie; man braucht nur den Willen dazu! Ich habe genügend Leute kennengelernt, die mit ihrem Reisebeschluss sehr gut gefahren sind, auch wenn „äussere Umstände“ dagegensprachen. Probleme daheim relativieren sich aus der Entfernung.

  Und es ist viel weniger gefährlich als man denkt, wenn man sich nicht ganz doof anstellt. Ach ja, und das Geld…: Ab einer gewissen Reisedauer (ca 4Wochen) auch deutlich günstiger als das Leben in Deutschland oder ein Urlaub an der Costa Brava!

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 Und dann bleibt noch zu sagen: Deutschland ist schön, richtig schön. Und ein gutes Land zum Leben. Und genau das sieht man mit ein bisschen Abstand ab und an noch besser!

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 Ich möchte mich natürlich noch bei all denen Bedanken, die mich auf dieser Reise unterstützt, begleitet, gefüttert oder einfach nicht vergessen haben!

 Man kann sich auch schon das ein oder andere Mal ziemlich einsam auf so einer Tour fühlen… aber meisstens kam ich gar nicht dazu, unter anderem dank der folgenden Leute:

 Allen voran natürlich Danke an Knut Send und Steffi Selbach!

 Des weiteren Danke an die Menschen unterwegs (ohne besondere Reihenfolge): Leon Varga (Kuala Lumpur), Tom&Jacko (Pai), Roobin (Beijing), Anton (Yunnan/Beijing), Nora (Pai-Phnom Phen), Tobias Kilian (Bohol), Thorsten Hornung (Singapore), Marcella Femers (Kuala Lumpur – Ko Tao), Djungelguide Tatta (Mt. Leuser), Anne Gosselin (Bogor/Medan), Will (Lijiang), Julia Borns (Siem Reap – Sapa), Ursula (Dali), Felix Gaschik (San Carlos), Claire&Johann und Gunter&Ria und Opa Helmut (Champasak-SiemReap), Kristie (Vientiane), Matthieu (Melakka), Sabine Schmidtke (Jakarta) und alle, von denen ich den Namen nicht mehr weiss oder nie wusste oder die mir grad nicht eingefallen sind und was-weiss-ich-wer-noch-alles!

 Thanx auch fuer die Unterstützung von daheim, die Kommentare und die Mails!

Und jetzt frohe Weihnachten und ran an den Speck!!!

Dezember 23, 2007

Da Capo al Fine

Gespeichert unter: Uncategorized — scholti @ 10:58

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Dezember 22, 2007

Ente gut, alles gut!

Gespeichert unter: Uncategorized — scholti @ 9:55

22.12. Steffi, NakNak und ich waren gestern noch mal ne Runde trekken.
Irgendwelche Spinner haben hier ne Riesenmauer durch die Landschaft gebaut. Und
dabei sinds noch mindestens 8000 Kilometer bis zur DDR … muessen die eine
Panik haben!
Steffis These ist ja, das diese Mauer eigentlich eins von den chinesischen
Staudammprojekten ist. Nur, dass die das damals noch nicht so drauf hatten und
den Damm ueber die Berge und nicht im Tal gebaut haben, wie sichs gehoert.
Wie auch immer – das Ding ist verdammt lang und verdammt gross und an manchen
Stellen auch beeindruckend Steil. Man fuehlt sich oft eher so wie beim
Bergsteigen, wenn man auf der Mauer entlanglaeuft.
Wir haben dann auch nicht die ganze Laenge geschafft, muss ich gestehen…
nach zehn Kilometern haben wir aufgegeben. Dafuer konnte man an der Stelle ein
500 Meter langes Stahlseil mit einer Rolle dran fuer den Abstieg benutzen …
nur, damit man am letzten Tag der Reise auch wirklich noch was hirnrissiges
machen kann.
Die denken an alles, die Chinesen!

Und ausserdem sitzten wir gerade beim letzten Fruehstueck (zugegebenermassen
schon ein ziemlich dekadent-westliches Hotelbuffet) und fahren gleich zum
Flughafen.

Um es mit den Worten von Sir Earnest Shakleton zu sagen: „Maenner, unser
Schiff ist zerstoert, unsere Vorraete schwinden, der arktische Winter steht vor
der Tuer. Wir haben kein Funk und niemand weiss, wo wir sind. Wir haben keine Chance. Und jetzt fahren
wir nach Hause!“

Dezember 20, 2007

Die Schildbuerger

Gespeichert unter: Uncategorized — scholti @ 10:55

20.12. Ein interessantes Phaenomen, wenn es Menschen eigentlich zu gut geht: Man will sich gegen alle kleinen Moeglichen Schicksalsschlaege absichern.
Bei Sachen wie Kranken- und Rentenversicherungen mag das ja noch ganz nett gedacht sein … schliesslich ist das Leben voll von wirren, und auch kluge Koepfe haben sich schon mal verrechnet oder eine unvorhergesehene Krankheit bekommen und sind froh, wenn die Haerten des Schicksals dann ein bisschen ausgeglichen werden. Aber auf der anderen Seite neigen wohlhabende Gesellschaften auch gerne zur Uebertreibung, was diese Dinge angeht.
Soziale Verhaltensregeln werden durch Gesetze ersetzt, und Freiheiten werden durch Regel und Hinweise eingeschraenkt, weil es ja immer diese wenigen geben koennte die die Regeln mutwillig brechen. Und die allgemeine Faehigkeit zum Mitdenken wird gerne auf ein Mindestmass reduziert, um ungewollte Eventualitaeten, die der menschliche Geist ob einer falschen und irrationalen Nutzung seiner Freiheiten zum Unwohl seiner Selbst und der Allgemeinheit verueben koennte auszumerzen.

China zum Beispiel ist ja ein wohlhabendes Land, wenn man so den asiatischen Masstab anlegt.
Und die Chinesen neigen dazu, ein Meer von Schildern aufzustellen, damit man auch fuer alles geruestet ist. Beim Trekken in Dali standen z.b. ueber knappe 15 Kilometer steinerne Hinweisschilder am Wegesrand, die einen alle paar Meter darauf hinwiesen „Kein Feuer“ „Fallende Steine“ „Nicht klettern“ „Achtung Abgrund“ und wieder von vorne… danke fuer das Naturfeeling. Ich weiss nicht, aber wenn ich trekken gehe … also zu Fuss den Bergkamm entlang – und dann nicht weiss das in einem Bergkamm von der einen Seite Steine kommen koennten die an der anderen Seite wieder herunterfallen koennten..?! Wo ist da die natuerliche Selektion? Und by the way: Kennt ihr die Darwin-Awards? –> www.darwinawards.com …viel Spass!

Oder Schilder, die an einem den Hang herauffuehrenden Weg stehen und sagen: „Achtung, der Weg koennte Steil sein“. Danke, danke.
Manchmal denkt man wirklich, die halten einen -tschuldigung- fuer zu bloed zum kacken!
Wenn in Laos irgendwo mal einer ein Schild aufgestellt hat, dann wusste man auch gleich: Dieses Schild ist ernstzunehmen, dieses Schild macht Sinn, dieses Schild gehoert da hin. Allein schon, weil der Standartlaot an sich viel zu faul ist, um auch noch nutzlose Schilder aufzustellen.
Wenn man sich dann klarmacht, dass das in Deutschland gar nicht so gross anders ist… danke fuer die zahllosen Hinweise „Kurve links“ oder „Ueberholverbot“ – wer beachtet den Mist schon?! Auch da, wo kein Ueberholverbot ist braucht es doch ein abschaetzendes Auge, ob man ueberholen kann oder nicht, oder? Und wer blind ist, sollte eh nicht Autofahren. Der kann dann ohnehin die Schilder nicht lesen.

In China machts vielleicht wirklich ein bisschen mehr Sinn, den Leuten am Pissoir zu sagen, dass sie eine bessere Trefferchance haben wenn sie naeher treten (auch ein Schild) oder im Sommerpalast bitte keine Knallfroesche oder Schusswaffen dabei haben sollen. Die Leute sind allgemein … na ja … ich sag mal vorsichtig: Nicht darauf erzogen worden, gross mitzudenken. Wirtschaftsmacht China: Ja. Aber nur, wenn an der Spitze Leute stehen die sagen wo’s langgeht. Kein Wunder, dass China vor allem mit geklauten Produkten reich wird und wenig genug eigene Innovation einbringt. Das ist uebrigens nicht nur meine Beobachtung, sondern wurde mir von mehreren ortsansaessigen Weissen auch so erzaehlt.

Und: Freundlich sind sie, hoeflich, angenehm. ja. Aber nicht Ruecksichtsvoll. Definitiv nicht! Die registrieren nicht mal, wenn sie einen ueber den Haufen Rennen/Fahren oder einem (so richtig) auf den Fuss treten oder einem den Gepaecktrolley mit Anlauf in die Haxen fahren oder sich in irgendeiner Schlange vordraengelen. Die gucken einen wegen so was nicht mal an!
Sagen uebrigens umgekeht auch nichts, wenn man sie umrempelt. Hab ich probiert. Klappt.

Steffi hab ich auch wiedergetroffen hier in Peking.
Die Stadt ist krass gross. Kommt einem wahrscheinlich groesser vor, weil man in dem Smog nicht wirklich weit sieht. Aber wir haben heute vom Stadtkern aus satte 90Minuten mit dem Rad gebraucht, bis auch nur die Haeuser kleiner wurden. Und man kann hier wirklich ziemlich fliessend Radfahren, dank reichhaltig ausgebauter Fahrradstrassen.

Irgendwie sind wir beide ein bisschen Reisemuede … das passt ja auch perfekt. Heute der Sommertempel, morgen noch die grosse Mauer. Endspurt. Und ansonsten gammeln wir mit netten Leuten in westlich orientierten Bars rum und leben noch mal in kapitalistischer Dekadenz (nur, um die Vorurteile der Chinesen zu bekraeftigen).

Unsere schoensten Tagesmottos:

„Wir muessen aufhoeren, weniger zu trinken!“
und
„Nicht essen, wenn man Hunger hat. Essen, wenn man nicht mehr Satt ist!“

Also, wie gesagt, wenn man anfaengt, die Locals auseinanderhalten zu koennen weiss man, es ist Zeit heimzugehen!
Mein Flugzeug fliegt auch ohne Ozon!

Dezember 19, 2007

Weihnachtsablass!

Gespeichert unter: Uncategorized — scholti @ 3:38

Also, wer gerne sein Gewissen jaehrlich an Weihnachten sauberpoliert und der modernen Form des Ablasshandels froehnt -dem Spenden- fuer den kurz folgendes:
Es gibt eine Menge guter Organisationen, aber auch viele schlechte.
Viele Spendengelder gehen mehr oder weniger direkt in korrupte Mittelsmaenner anstatt zu den Leuten, fuer die sie gedacht sind; das ist kein geheimnis und faellt einem vor Ort auch immer wieder auf.
Andere Organisationen sind mit Spenden ueberladen, so dass der Umgang damit eigentlich sehr viel dekadenter gestaltet wird als es Sinn macht (Stichwort: Zweckgebundene Spenden bei Tsunamiopfern).
Die folgenden drei Krankenhaeuser sind Krankenhaeuser fuer wirklich arme Menschen, und sie werden uneigennuetzig und effizient geleitet von Aerzten, die wissen was sie mit Geld anfangen koennen.
Wenn ihr also unbedingt Spenden wollt, spendet einem von diesen Haeusern!
Ich war da, und ich hab mit eigenen Augen gesehen, dass es gut ist was die da machen!

1) Kambodia: Angkor Hospital for Children in Siem Reap.
Info: www.angkorhospital.org .
Spenden ueber http://www.fwab.org/help_donate.php
!Achtung! NICHT verwechseln mit der Kinderklinik von Dr.Beat Richner, auch in Siem Reap!

2) Klinik in Mae Sot (Thailand) fuer Burmesische Fluechtlinge: Information (franzoesisch): http://www.yogatvsource.com/portail/spip.php?article1404http://www.maetaoclinic.org/donations_in_all.html
Spenden (englisch): http://www.maetaoclinic.org/donations_in_all.html

3) Christliche Klinik in Suedindien fuer arme und aermste Patienten:
C.S.I Mission, Hospital, Woraiyur, Trichy, Tamil Nadu
Tele:0431-2762372,2760672
Anfragen fuer Spenden an Dr. Samson Daniel (nur telefonisch)

Dezember 18, 2007

Ente bei Nacht

Gespeichert unter: Uncategorized — scholti @ 8:02

18.12. Ich war dann noch zwei Tage in Dali, wieder eins von diesen alten Bergnestern. Als ich einmal Abends durch die Strassen gewackelt bin, Gitarre auf dem Ruecken, wurde ich vom Chef einer Live-Musik-Bar angesprochen und quasi direkt auf die Buehne gezerrt, um dort ein Stelldichein zu geben. Nachdem ich dann brav mein Lied gespielt habe hat mich der Chef dann auch brav auf ein Bier oder zwei eingeladen. Leider sprach er wie ueblich gar kein Englisch, und nach dem groben „Where-are-you-from?“ und „was-heisst-Prost-auf-Chinesisch?“-Kram wurde das Gespraech dann etwas duenn. Das nahm der Chef dann zum Anlass, mir diverse Bilder von Mao-Tse-Tung zu zeigen (auf Geldscheinen, als Handylogo etc.) und mich nach meiner Meinung zu Onkel Mao zu fragen. Wessen Bier ich trink, dessen Spruch ich sag … „jaja, war schon toll, der Mao“ … ich haette gern noch so was angefuegt wie „…genau wie Hitler und Stalin!“. Aber der Sarkasmus waere so ziemlich ins leere Gelaufen, und mir waere stattdessend zustimmend zugeprostet worden. Stalin hat schliesslich auch nur das Kommunistending probiert, und vor Hitler („Schie-de-ler“) haben die Chinesen genau wie viele andere Asiaten einen grossen Respekt ob seiner Effizienz als Fuehrer. Nee, schon ein feiner Kerl, der Mao. Da muss man mal ueber ein paar Massenmorde und 30 Milionen Hungertote hinwegsehen koennen! (Das ist schliesslich so nebensaechlich, dass es in China nicht mal auf dem Schullehrplan steht…). Ich hab mittlerweile verstanden, was Kommunismus ist: Kommunismus ist die verschaerfte Form von Kapitalismus plus eine Rote Fahne plus mindestens ein Massenmord – voila! Trekken war ich dann auch nochmal in Dali (und ich bin in einer bayrischen Gondel wieder vom Berg runtergefahren, einschliesslich Beethoven-Musik! DAS ist Heimatfeeling! Year!). Des weiteren hab ich noch einen Schlag netter Leute, ein chinesisches Wuerfeltrinkspiel und ein chinesisches Lied kennengelernt, bevor ich weiter zu meiner letzten Etappe, zur Mitte der Welt: nach Peking geflogen bin. Ja, richtig: Geflogen. Ich hab’s getan. Ich hab geschummelt. Und wurde in Peking dafuer bestraft. Ich kam Nachts an, in einer ziemlich ziemlich grossen Stadt, in der zumindest um diese Uhrzeit alle Menschen mit Englischsprachkenntnissen schon im Bett lagen. Hab den falschen Bus genommen, weil das Schild in unserer Schrift falsch war. Wurde von zwei netten, aber vollkommen inkompetenten Taxifahrern zweimal in die vollkommen falsche Richtung gefahren, nachdem ich „Schlafen“ und „Geld“ und „niedrig“ signalisiert habe und zu zwei viel zu teuren fuenf-Sterne-Hotels weit draussen gefahren wurde. Dann bin ich auf eigene Faust loszogen. Die Loneley Planed-Karte taugt nicht wirklich viel. Die Hilfe der Locals ist immer nett und umfangreich. Und vollkommen nutzlos. Die kleineren Hotels sind von aussen nicht als solche zu erkennen… usw. Was soll ich sagen, ich hab es geschafft, drei Stunden Peking-bei-Nacht zu machen, nach 16 Stunden Reise und mit Gepaeck auf dem Ruecken. Und um ehrlich zu sein: Mann, hat mich das angekotzt… nach aller in Asien antrainierten Gelassenheit war mir das dann doch zuviel. Gut, ich hab dann irgendwann was gefunden. Ich lebe noch und hab sogar mittlerweile ein bisschen geschlafen. Peking ist die letze Station meiner Reise. In vier Tagen geht es nach hause, und dass ist auch gut so. Wie es eine polnische Travellerin in Dali passend sagte, nachdem ich an einem Chinesen vorbeigegangen bin und ueberlegt hab ob ich ihn kenne: „Wenn Du anfaengst, die Locals auseinanderhalten zu koennen ist es Zeit heimzukehren!“ ;-) Ach so, ja: Sie rotzen auch auf Flughaefenboeden und in Busse, Internetcafes und auf den Mittelgang im Flugzeug. Sie rotzen einfach immer und ueberall. Auch die Frauen.

Dezember 16, 2007

Rotzen

Gespeichert unter: Uncategorized — scholti @ 3:14

16.12. Zum Thema „Rumrotzerei in China“ hat Chris (der hier laengere Zeit
gelebt hat) mir folgende Mail geschrieben, die ich euch nicht vorenthalten
moechte:

Ich bin mal neben einem Chinesen Bus gefahren, der war leicht erkältet. Und
Taschentücher benutzen die ja nicht. Also fing er an, hin und wieder die Nase
hochzuziehen. Dann öfter. Dann noch öfter. Und als dann die Wehen irgendwann in

immer kürzeren Abständen eingesetzt haben, hat er höchster Not irgendwo eine
Plastiktüte hergekramt und sich darin erleichtert. Die ganze Prozedur hat sich
dann noch zweimal wiederholt, dann sind wir angekommen.

Die Chinesen sind schon ein lustiges Völkchen. 5000 Jahre Kultur, aber
jedenfalls in punkto „Kontrolle der körpereigenen Stoffwechselfunktionen“ seit
ca. 4500 Jahren kein Fortschritt :-)

Faszinierend sind übrigens auch alte Männer im Zug, die Nüsse essen. Es ist
erstaunlich, dass ein ca. 1,50 Meter großes Männchen in nur 4 h Zugfahrt ca.
10 Quadrameter übelste Sauerei aus Nussschalen und Rotze auf dem Boden
veranstalten kann :-)

Viel Spaß beim schlürfrotzschmatz,
Chris

Ein Hauch von Tibet

Gespeichert unter: Uncategorized — scholti @ 3:13

 12.12. 3900 Meter vom hoechsten Punkt bis runter zum Yangtze, und knappe 30
Kilometer lang ist der “Tiger Leaping Gorge”. Nicht nur einer der schoensten
Treks der Welt, sondern auch akut vom aussterben bedroht, genau wie die Tiger
selber: Die atemberaubende Schlucht wird ab dem naechsten Jahr Opfer eines
dieser groessenwahnsinnigen chinesischen Staudammprojekte. Damit werden nicht
nur die Teppiche von etwa 100 000 Chinesen feucht, sondern auch die einmalige
Schlucht ist -im Sinne des Wortes- dem Untergang geweiht.
Also schnell noch mal hin; und dann nach mir die Sintflut!
Ich habe gluecklicherweise schon zu Beginn der zweitaegigen Wanderung Anton
kennengelernt, einen sympathischen jungen Ingenieur aus Muenchen mit dem ich
mich zusammengerauft habe. Nette Gesellschaft, und dann auch noch Deutsch
sprechen duerfen – und das in einer Gegend wo man die Westler zur Zeit ohnehin
mit der Lupe suchen muss… echter Luxus!

Tja, ueber den Trek selber kann man gar nicht so viel erzaehlen. Stellt euch
einfach die tollste Schlucht vor, die ihr je gesehn habt, dann stellt geistig
ein paar malerische fuenfeinhalbtausender drumherum und setzt -fuer die
Farbflecken- noch eine handvoll bunt angezogener Bergbewohner mit ebenso bunten
Pferden dazu. Fertig.
Alles weitere sagen die Bilder im StudiVZ (da ich den gesamten Blog gerade
wegen der chinesischen Zensur via Knut in Deutschland hochladen lasse (Danke!)
gibts hier keine Bilder! Sorry! Beschwerden an die chinesische Regierung!).

“Tiger Leaping Gorge” heisst uebrigens uebersetzt so was wie
Tigersprungschlucht. Der ein oder andere Badener mag hellhoerig werden – Ja,
die Schlucht hat die gleiche Geschichte wie die Hirschsprungschlucht bei
Freiburg: irgendwann ist hier -angeblich- mal ein Tiger auf der Flucht vor
seinen Haeschern ueber die Schlucht gesprungen und entkommen. Die Welt ist sooo
einfallslos!
Allerdings koennen Tiger in dem Fall noch ein gutes Stueck besser springen als
Hirsche. Aber sie sterben trotzdem aus. Genau wie die Schlucht. Ach ja, das
hatten wir ja schon…
Na, wie dem auch sei: Wenn ihr zufaellig grade in China seid kommt bald mal
vorbei. Sonst muss man wohl ein paar Jahre warten mit dem Trekken, bis
Terroristen oder die Amis den Damm in die Luft bomben.

Anton ist nicht nur ein netter Kerl, sondern spricht auch ziemlich gut
Mandarin (ein Segen in einem Land von Fremdsprachenlegasthenikern!). Ausserdem
konnte er mir einen ganzen Haufen an Backgroundinfos ueber China geben, weil
seine Freundin Chinesin ist und er auch schon laenger hier gelebt hat. Infos,
die man so als Touri nur schwierig bekommt, ueber Land und Leute und Politik
und so. Keine Sorge, ich lasse mich jetzt nicht drueber aus … wuerde hier den
Rahmen sprengen. Nur soviel – uns Deutschen gehts besser. Irgendwie. Und vor
allem wissen wir das wenigstens.

Und wenn man schon mal so schoen nah an Tibet ist, warum nicht noch naeher
dran… seit heute bin ich in Zhongdian oder auch Shrangri-La. Das ist zwar
noch nicht politisch-geographisch in Tibet, aber das wars dann auch schon: Die
Leute sprechen tibetisch, sehen Tibetisch aus und essen Tibetisch, und Moenche
hats da auch noch. Nur ein Tibet-Visum brauch ich hier nicht!
Und natuerlich gibts mal wieder eine malerische Altstadt, tolle Berge und ganz
wenige Grad Celsius und ein bisschen Schnee und ein bisschen Eis – es
weihnachtet sehr!

Die chinesische Regierung verfolgt eine Umsiedelungspolitik, die Han-Chinesen
(Mehrheitsstamm) in Tibet ansiedelt und Tibeter aussiedelt, um das Risiko von
Aufstaenden zu verringern – mittlerweile leben mehr Tibeter ausserhalb Tibets
als innerhalb, und in Tibet selber leben ueber 50% Han-Chinesen…


15.12. Chinesen heizen nicht. Bestenfalls wird ein Topf mit heissen Kohlen
unter den Tisch gestellt, aber eine richtige Heizung? Nee…
Geht auch fast nicht, weil die meisten Cafes eine offene Seite haben, und die
meisten Guesthouses Holzkonstruktionen sind und somit schlecht isolierbar. In
warmen Gegenden ist das auch vollkommen adaequat. Aber wenn man in den Bergen
rumsitzt und die Aussentemperatur ein gutes Stueck unter Null ist ist das ein
bisschen… na ja … kalt halt. Man sitzt also schon mal mit Pulli, Jacke,
Schal und Handschuhen beim Abendessen.

Mein Guesthouse hat grossspurig heisses Wasser versprochen, fuer mich alten
Warmduscher. Aber als ich dann abends nur meine Zaehne putzen wollte, stellte
sich heraus das fast alle Wasserleitungen im Haus zugefroren waren. Nachdem ich
dann in einer Odysee durchs Haus wirklich noch einen funktionierenden Hahn
gefunden hatte kam gleich die naechste Herausforderung: Die Eisdecke im Kloloch
durch warmen Urin soweit aufzutauen, dass man abspuelen kann…

 Zurueck aus Shangri-La, bin ich wieder in Lijiang aufgeschlagen und hab einen
netten Abend mit einem selbstmoerderischen Hardcore-Rafting-Guide aus den USA,
einer Polin auf buddhistischer Pilgerreise und einem netten
Chinesenmedizinerpaerchen verbracht. Interessant war, dass die Chinesen bei so
ziemlich allen politischen Themen angeblich nichts verstanden haben, obwohl ihr
Englisch ansonsten gar nicht soo schlecht war. Aber irgendwie ist da eine
Blockade in der Denke, wenn es um Themen wie Staudaemme, Aussenpolitik oder
Pressezensur geht. Meinte Anton auch schon: Die Leute werden quasi von
Kindesbeinen so erzogen, dass sie Dinge nicht Hinterfragen und sich einfach
auch nicht dafuer zu interessieren haben.

Dezember 11, 2007

In China essen sie Hunde

Gespeichert unter: Uncategorized — scholti @ 9:49

10.12. Es geht in den Endspurt: Ich bin in China!
Die Fahrt von Sapa in Vietnam nach Lijiang in China war wieder mal einer dieser Gewalttrips – knappe 28 Stunden on the Road, davon 12 Stunden in einem Sleeper-Bus. Sleeper-Busse sind eigentlich eine tolle Sache: Man hat ein Bett, in das immerhin die ersten 175cm des Koerpers bequem hineinpassen (was bei den Chinesen deutlich ueber 100% der Gesamtlaenge ist). Ungemuetlich wirds nur dann, wenn die Strasse die drei „S“-Kriterien erfuellt (Serpentinen, Schlagloecher, Scheissfahrer) und man ganz hinten oben liegt. Da ist dann die Hebelwirkung des Busses mitunter so stark, dass man im Schlaf auch mal gute 50cm nach oben fliegt und sich den Kopf ordentlich an der Decke anschlaegt. Ich will ja nicht rumjammern, aber Schlafen stell ich mir anders vor. Wobei – wenn man eh nicht schlafen kann stoert es auch viel weniger wenn nachts um drei mal wieder irgendein chinesische Handy losdroehnt…

Wie dem auch sei – ich bin muede und lebend und mit wundgesessenem Hintern in Lijang angekommen, und habe sofort eine wirklich neue Erfahrung gemacht. Frieren! Vorbei die Zeiten mit Sandalen und kurzer Hose – hier wird als Einstimmung auf daheim wieder ordentlich gebibbert!

So, jetzt aber genug von mir; mich gibts ja auch daheim. Kommen wir zu den Chinesen:
Die Leute sind sehr angenehme Zeitgenossen. Unaufdringlich, freundlich, hilfsbereit.
Zumindest haben sie eine sehr hilfsbereite Art mit den Schultern zu zucken, weil wirklich gar keiner hier Englisch zu sprechen scheint. Wenn man jemanden irgendwas fragt (oder mittels Gestik andeutet was man will) kriegt man entweder eben jenes Schulterzucken, oder man hat gleich vier Chinesen um einen rumstehen die einen auf Mandarin zuquatschen und einem helfen wollen (ohne selber zu wissen, was man eigentlich will). Vollkommen nutzlos, aber sehr nett! Da verzeiht man ihnen sogar, dass sie bei jeder Gelegenheit in die Gegend rotzen muessen (Aber immer die guten Rotzbollen! Die von ganz tief unten!). Uebrigens auch auf den Busboden. Da sind die nicht so pingelig.

Allgemein ist China recht sauber und wohlhabend im Vergleich mit Suedostasien. Das dritte-Welt-feeling ist nun wohl endgueltig vorbei. Die Zeichen stehen auf Aufschwung.

Noch ein Wort zu Lijiang: Die Stadt ist vollkommen berechtigt Weltkulturerbe der UNESCO, eine kleine, lebhafte Bergstadt mit einer Altstadt, die absolutes Mittelalterflair hat; nur halt auf Chinesisch. Sehr malerisch, und in dem Labyrinth von Gaesschen, Baechen und Pfaden kann man sich locker verlaufen (Hab ich gestern abend auch gleich mal ausprobiert!).
Einheimische sitzen um Lagerfeuer am Strassenrand und verkaufen Handarbeiten, der Geruch von leckerem chinesischen Essen (Hund?) weht durch die Strassen und im Hintergrund zeichnen sich in der klaren, kuehlen Bergluft die Auslaeufer des Himalaya ab. Hat was!
Wuerde gerne ein paar Bilder hochladen, aber da macht der Computer nicht mit…

Und wie gehts weiter?
Nun, die naechsten drei, vier Tage werde ich den „Tiger Trail“ erkunden; angeblich einer der schoensten Trekkingwege der Welt (Trekking! Nicht wandern!). Hab mir auch schon ne Daunenjacke und nen Schal zugelegt.
Danach ziehe ich weiter an die Grenze zu Tibet nach Zhongdian; und von da muss ich dann irgendwie nach Peking kommen, um meinen Rueckflug am 22ten nicht zu verpassen, und ausserdem hab ich in Peking noch ne Einladung zu nem Bier (Danke, Roobin!)
… jep, so siehts aus.
Gruss aus der Mitte der Welt an die Randbezirke!

 NEUE FOTOS GIBT ES IM STUDIVZ!!!

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