Scholti war Reisen…

Der Genozid der Khmer Rouge + Gedanken dazu

25.11. Wer mehr ueber die Hintergruende der Khmer Rouge wissen moechte den verweise ich an den Abschnitt „Pol Pot ist ein Riesenarschloch„.

Hier nur -Bilder sagen oft mehr als Worte- ein paar Eindruecke aus dem Foltergefaengns von Tuol Slong und den sogenannten „Killing fields“von Choeung Ek; beides nahe Phnom Phen.

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Wie bei den Nazis haben die Khmer Rouge ihre Greultaten sauber dokumentiert. So wurde jeder Insasse von Tuol Slong Fotographiert und eine eigene Akte angelegt.

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Die Gefangenen waren nicht nur politische Gegner, sondern Industrielle, Intellektuelle, Abtruennige, Moenche und sonstige nicht in das System passende Menschen. Und deren Familien.

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Die Gefangenen wurden im Schnitt 4-5 Monate in Toul Sleng gefoltert, befor sie zur Exekution auf die Killing Fields vor der Stadt gebracht wurden. Keiner der Gefangenen war je fuer die Freilassung vorgesehen.

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Auch die Folter selber wurde akribisch dokumentiert, sowohl auf Fotos als auch in Gemaelden. Die Bilder wurden von Mithaeftlingen erstellt.

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Zellentrakt fuer Einzelhaeftlinge. Die meisten Haeftlinge wurden -zu vierzigst mit Fussfesseln aneinander gekettet in einem leeren, gefliesten Raum unterm Dach gehalten.

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Tuol Sleng war vor der Machtuebernahme der Khmer Rouge eine ganz normale Schule mitten in Phnom Phen. Heute ist dort ein beklemmendes Museum.

Insgesamt waren etwa 20000 Menschen zwischen 1975 und 1979 in Toul Sleng inhaftiert. Von ihnen ueberlebten sieben.

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Kindersoldaten der Khmer Rouge. Auch viele Soldaten aus den eigenen Reihen der Khmer Rouge wurden im Lauf der Zeit zu Opfern.

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Schaedelsammlung bei den Killing Fields. An manchen Schaedeln sieht man Einschuesse, Axthiebe oder eine geborstene Schaedeldecke.

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Zum Munitionssparen wurden Kinder gegen Baeume geschlagen, Haeftlingen wurde mit Palmblaettern die Kehle durchgeschnitten oder sie wurden an einen LKW gebunden und zu Tode geschleift.

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Massengrab von ueber 100 Frauen und Kindern. Auf den Killing Fields sind ueber 140 solcher Massengraeber, ein Drittel davon ist noch unberuehrt.

Insgesamt starben in Kambodia in den Jahren 1975-79 ueber 2 Millionen Menschen durch die Herrschaft der Roten Khmer.

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Gedanken zum Genozid.

„Der Mensch ist grausam!“, wird von den Besuchern solcher Staetten wie den Killing Fields gerne betroffen vor sich hin gemurmelt.

Das ist keine grosse Erkenntnis, wenn man die obenstehenden Bilder betrachtet oder sich ueberlegt was die Nazis bei uns angestellt haben, oder Stalin in Russland, oder die Hutu und Tutsi in Ruanda oder werwaswo auch immer.

Stutzig gemacht haben mich Gaestebucheintraege im Foltergefaengnis der Khmer Rouge. „Hoffen wir, das so etwas nie wieder passiert!“ hiess es da mehrfach.

Natuerlich hoffen wir das alle, und niemand wird sich trauen etwas anderes zu sagen, und natuerlich wird auch niemand das meinen.

Aber -passiert es nicht noch?

Was ist los in Darfur?

Was ist mit Myanmar/Burma?

Was war in Abu Greib, was ist in Guantanamo los?

Den Buergerkrieg in Ruanda haben wir alle noch mitbekommen, unter ‘ferner liefen’ in den Nachrichten. Die Serben im Kosovo schon naeher.

Alle diese Voelkermorde waren der Welt mehr oder weniger wohlbekannt. Jeder wusste irgendwie, dass die Juden nicht zurueckkommen. Jeder wusste was in Kambodia los war, und in Ruanda … richtig drueber geredet und verarbeitet hat es die Welt aber im Nachhinein, als niemand mehr Gefahr lief sich fuer irgendetwas aktiv engagieren zu muessen. Ganze Nationen haben sich im Wegschauen geuebt, nur um nachher die ersten zu sein die Wiederaufbauhilfe leisten und -ganz nebenbei- ihre Wirtschaft in dem zerruetteten Land installieren.

Mit dem Zeigefinger in die Vergangenheit zeigen ist einfach, und wir alle habe doch eine perverse Form von Freude daran, uns die Artefakte der Grausamkeit anzugucken, betroffen zu sein und insgeheim zu geniessen, dass „Heute die Zeiten ja so viel besser sind“.

Nur stimmt das leider nicht. Die Voelkermorde von heute passieren.

Aber sie bedruecken uns erst morgen, wenn es zu spaet ist. So wie die Alliierten im Weltkrieg vom Holocaust wussten und nicht aktiv interveniert sind, so wusste die Welt auch von den Khmer Rouge.

Und hat nichts getan, mit dem Verweis „Not our business!“.

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Haetten die Khmer Rouge nicht dummerweise vietnamesische Doerfer angegriffen waeren sie vielleicht heute noch an der Macht – so wie die Junta in Burma. Wenn vielleicht in zwanzig Jahren Burma frei ist wird man auch dort Zeugnisse von Folter und Mord finden, und zurueckschauen und altklug jammern, dass doch jemand mal etwas haette tun sollen. Die ganz Empathischen spenden sogar vielleicht fuer die Opfer und Hinterbliebenen, so wie in Ruanda.

Ich frage mich, was der Mist soll!?!

Natuerlich steht es nicht in der Macht der meisten Einzelnen, die Welt zu aendern. Aber ist der Verweis auf Andere -Maechtigere- wirklich probates Mittel? Jeder kann sein Gewissen reinhalten, indem er brav zu Weihnachten irgendwem spendet und ansonsten seinen Muell trennt, ein Katalysatorauto faehrt und politisch korrekte Meinungen vertritt. Aber da, wo’s wirklich brennt fuehlt sich keiner so richtig verantwortlich.

Kambodia war nicht gestern, sondern ist heute. Nur woanders.

Ich denke nicht, das der Mensch in sich schlecht ist, oder grausam – wie anfangs erwaehnt. Aber – jeder Mensch hat etwas Schlechtes und Grausames in sich, dass geweckt werden kann. Kein Krieg ist heilig, aber jeder der in einen solchen zieht ist von der Richtigkeit seiner Ideale ueberzeugt (und wenn es nur Selbstschutz ist). Auf beiden Seiten.

Es gilt, zu erkennen wann Ideale gut sind und vor allem, welcher Zweck welche Mittel heiligt.

Hast Du einen Opa, der Nazi war? Nee, natuerlich nicht. Hatten wir alle nicht. Wir sind ein Volk von unschuldigen, gezwungenen Mitlaeufern. Wie in allen anderen Gewaltregimen auch. Aber wo kommen die Gewalttaeter her? Wo kommen die radikalen Idealisten her, die alles anzetteln? Wer von uns -Zivis eingeschlossen- wuerde nicht unter gewissen Umstaenden toeten? Und wieder toeten?

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Ich habe selber natuerlich auch keine Loesung fuer das Dilemma im Menschen an sich. Waere auch zu schoen und einfach. Aber ich denke, wenn es irgendeinen Weg gibt die Welt irgendwann mal auch nur ein Stueckchen besser zu machen, dann dadurch dass man sich das oben genannte immer und immer wieder bewusst macht und nicht alles in die Vergangenheit verdraengt, sondern jetzt und in der heutigen Zeit erkennt, wo das an sich gute Wesen Mensch seine schlechte Seite zu sehr nach aussen zeigt.

Ueber eine Diskussion wuerde ich mich freuen.

Stephan

1 Kommentar »

  1. Lieber Stephan,
    Meine Erziehung scheint nicht so schlecht gewesen zu sein. Du hast durchaus Recht mit dem, was Du schreibst und es ist auch gut, dass Du erkennst, dass jeder Mensch etwas „schlechtes“ in sich hat, dass unter gewissen Umständen auch zum Ausbruch kommt. In der entsprechenden „Umgebung“ können sogar die scheinbar friedlichsten Menschen zum Tier werden. Und ich glaube, das niemand so genau weiss, was in ihm steckt, bevor nicht eine Extremsituation kommt, die es ihm zeigt. Ich möchte nur an die größer werdende Zahl Menschen erinnern (brave Familienväter und so) die bei uns ohne Not an Unfallstellen oder da, wo sie helfen könnten – und müssten- vorbeifahren, oder wegschauen, wenn öffentlich Gewalt geübt wird. Und die immer größer werdende Zahl derjenigen, die sich von sich selber entfernen, weil sie nur noch nur noch aus dem Fernsehen leben oder Konsum über alles stellen.
    Das sind Anfänge für eine unsoziale Entwicklung.
    Ich glaube, das einzig sinnvolle, was man tun kann, ist- sein eigenes Leben so zu leben, dass es ein Beispiel werden könnte für andere– wissend um die eigenen Schwächen und auch beachtend, dass die eigene Einsatzfähigkeit Grenzen hat.
    Du hast mit der Wahl Deines Berufes einen ersten Anfang dazu gemacht– bleib wach für die Sorgen anderer, achtsam dem anderen Menschen und Dir selber gegenüber und versuche, Dich als Teil des Ganzen zu begreifen und deinen Platz mit Würde einzunehmen und auszufüllen.
    Die Welt wirst Du nicht retten, aber Du kannst in Deinem kleinen Umfeld dafür sorgen, dass sie ein Stück besser wird– das ist schon mal eine Herausforderung — wenn das andere inspiriert es Dir gleich zu tun, oder andere anstößt es ähnlich zu versuchen, wird das auf lange Sicht die ganze Welt verändern– auch wenn Du es selber vielleicht nicht mehr erleben kannst– vielleicht aber Deine Ur-Ur-Enkel.
    Vielen Dank für den Bericht und die eindrucksvollen Bilder- darüber zu berichten nicht zu schweigen, kann auch ein Beitrag sein.

    Liebe Grüße Deine Mama

    Kommentar von Hanne — November 24, 2007 @ 7:24


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