Scholti war Reisen…

Februar 27, 2010

Saenk you for traewelling with indian railways!

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 7:19 vormittags

Zugfahren in Indien ist ein Kapitel fuer sich, und, ich moechte es gleich vorrausschicken: In keinem Land der Welt macht Zugfahren mehr Spass als in Indien!

Die Indische Bahn ist der groesste Arbeitgeber der Welt, wobei eine nicht geringe Zahl Angesteller damit beschaeftigt sein muss, die interne Buerokratie zu verwalten. Um ein Ticket zu bekommen muss man eine hoch einstellige Zahl von Stunden in einer Warteschlange verbringen, um sich eine Reservation zu machen, dann eine weitere Zahl von Stunden um das Ticket selber zu kaufen. Langstreckentickets gibts nur mit Reservierung, und die sollte mindestens 2Tage vorher stattfinden, sonst gibts wahrscheinlich kein ticket mehr, es sei denn man bekommt ein Ticket aus dem Notfallkontingent (gleiche Leistung fuer mehr Geld) oder aus der “Tourist Quota” – Reservierte Plaetze fuer Touristen. Oder man schummelt, macht das ganze ueber eine Travel Agency und zahlt halt n Euro mehr und spart sich den ganzen Scheiss.Wir sind da ehrlich gesagt ein wenig faul geworden…

Es gibt 7 veschiedene Klassen, von Holzbank zu klimatisiertem Schlafwagen mit eigenen Abteilen ist alles drin, je nach Budget. Unser All-time-favourite ist der Sleeper-3-tier non AC, auf deutsch: Schlafwagen mit 3 Betten uebereinander, alles durch einen offnen Gang miteinander verbunden, keine Klimaanlage. Hat man sein Ticket und seine Reservation, haengt an jedem Wagen eine ausgedruckte Liste mt den namen, und erstaunlicherweise ist das alles dann super zuverlaessig. Die Zuege sind so lang, dass sie fast in zwei Bahnhoefen gleichzeitig halten koennen. Oft halten sie aber auch einfach auf freier Strecke ohne erkennbaren Grund. Dann kann man Aussteigen, sich die Beine vertreten und im Anfahren wieder Aufspringen.

Und warum ist Zugfahren nun toll?

Nun, da standen wir also in Rishikesh vor unserem Zug nach Kashmir. Auf dem Bahnsteig bereits haben wir zwei nette Israelis kennengelernt, die ich auf Ihre Yogamatte angesprochen habe. Spontan habe ich eine Yoga-Lehrstunde am Bahnsteig bekommen, sehr zur Freude der herumstehenden Inder. Ich habe es also doch noch geschafft und Yoga in Rishikesh gemacht! Ich kann jetzt endlich mitreden!

Im Zug haben wir dann noch drei Japanerinnen kennengelernt, die absolut das Klischee verkoerperten: Schuechtern, 1,5m gross, staendig am Photographieren und maessiges bis beschissenes Englisch, aber irgendwie nett.

Na, und dann sitzt man da und schaut aus den vergitterten Zugfenstern ohne Scheibe, oder setzt sich einfach in die offene Tuer und geniesst die Landschaft. Stendig rauschen irgendwelche Wallahs durch den Zug und versorgen einen mit Chai,  Wasser, Snacks oder ganzen Mahlzeiten. Zwischenzeitlich haben wir ein kleines Konzert fuer den Wagen gegeben, mit Gitarre, Knut an der Mundharmonika und einem Israeli auf der Bambusfloete. Dann kamen immer wieder Inder und spielten mit Lieder auf ihrem Handy vor, die ich dann bitte nachspielen sollte. Zwischenzeitlich wurden wir in ein Indisches Kartenspiel (aehnlich “Wizard”) eingebunden, das ein Pulk Informatikstudenten nebenan ausgelssen gespielt hat. Und staendig wird einem von irgendwem irgendwas Angeboten, Kekse, Zigaretten, Bananen … kurz und gut, es ist einfach eine tolle Stimmung in diesen Zuegen, und es passiert staendig irgendwas. Und manchmal kann man sogar schlafen.

Auf jeden Fall koennte sich die Deutsche Bahn mal ein Stueck von der Freude am Fahren abschneiden… in unseren Grossraumwagen setzten sich die Menschen ja wirklich nur nebeneinander, wenn kein Zweierplatz mehr unbelegt ist…

Dann wuerde die Deutsche Bahn sogar vielleicht irgendwann schwarze Zahlen ohne Subventionen schreiben. So wie die Indian Railways.

Februar 25, 2010

Karmapunkte das es kracht!

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 7:36 vormittags

Die Nacht in Massoorie war nicht weiter spektakulaer… mangels Sozialprogramm haben wir uns im Hotel (Verschimmelte Bettdecken, keine Dusche, aaaber einen Fernseher) Austin Powers reingezogen, der so schlecht ist, dass er unter den ganzen Bollywood-Filmen im indischen Fernsehn gar nicht auffaellt. Am Morgen ging es um 6:30Uhr (nach Knut das “Early-bird-Prinzip” auf den Motorraedern zurueck nach Rishikesh, diesmal auf dem Weg ueber die Ebenen und durch eine Grossstadt; bis wir schliesslich Wohlbehalten ankamen und die Maschinen wieder abgegeben haben. 48 Stunden aktive Verkehrsteilnahme in Indien unfallfrei ueberstanden, darunter Autobahnfahrt, Bergfahrt, Stadtdurchquerungen und schlammige Landstrassenpisten. Ich wuerde sagen, wir haben den Indienfuehrerschein damit bestanden. Und die Goetter koennen sich jetzt wieder eine kleine Entspannungspause goennen.

Dann haben wir gerade noch Karmapunkte gesammelt, dass es kracht! Nicht aus religioesen Gruenden, sondern schlicht mangels Dusche sind wir gerade in den Ganges gehuepft und haben uns nach europaeisch-traditionellen Ritualen ordentlich gewaschen. Und welch Glueck- im Direktvergleich war nachher der Ganges dreckiger. Und meine wichtigsten Hautschichten sind auch noch dran!

Knut versucht sich am Yoga am Ganges

…ein Bad im Ganges… mmh, da muessten wir mittlerweile mindestens auf Karmastufe Guerteltier sein, was meinst Du, Knut?

Oh, und noch mehr Karmapunkte gibts wahrscheinlich bei unserem naechsten Reiseziel, Dharamsalam, im Nordosten in der Naehe von Jammu/Kaschmir. Nachdems mit dem Yoga ja nur maessig geklappt hat gehts nun weiter zum Meditieren. Und dann werd ich Knut endlich mal den Unterschied zwischen Nachdenken und Nachschenken beibringen!

Noch mehr kalt. Noch mehr Schnee. Brr. Aber nette Lamas solls da oben geben.

Da simma Dalai, dat is priiima..

Februar 24, 2010

Vamos Himalaya, oh ohooooho…

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 1:37 nachmittags

Nice Guesthouse

Rishikesh haben wir im weiteren genutzt, um kein Yoga mehr zu machen und keine innere Erleuchtung zu finden, sondern mit 2 Motorraedern den Ganges entlangzuheizen (nein, Mama, nicht mit 120 Sachen. Maximal mit 60. Mehr ist Strassentechnisch nicht drin). Wunderschoene Landschaft, muss man mal neidlos anerkennen. Zwischendrin haben wir massig Karma-Punkte gesammelt, indem wir indische Schulkinder per Anhalter transportiert haben. Knut meint wir muessten fuer die Wiedergeburt schon mindestens auf Niveau einer Bisamratte sein.

Des Abends haben wir es dann geschafft ein paar Leute kennenzulernen die sich selbst schon fertig gefunden haben und mit denen man ganz normale Backpackergespraeche fuehren konnte. Wow, das tat gut! Und das schoenste war, dass die Leutchen in einem Guesthouse weit ausserhalb der Stadt residierten und der Wallah dort einen kleinen geheimen Vorrat an Bier hortete, den er (zu horrenden Preisen) an westliche Gaeste verschacherte. In Rishikesh ist Bier naemlich aufgrund der allgemeinen Heiligkeit Alkohol verboten. Unser erstes Bier in Indien! War dringend Zeit! Schliesslich sind wir Germans und haben einen schlechten Ruf zu verlieren!

Dann heute die Weiterreise, wieder mit dem Motorrad. Man macht ja trotz aller Weltlaeufigkeit und Reiseerfahrungen immer noch den Fehler, Entfernungnen massiv zu unterschaetzen. 90km Entfernung auf der Karte und die gutgemeinte Aussage “Takes only 2 1/2 Hours, Mister!” bedeutete 6 Stunden Serpentinenkrabbeln durch den Himalaya. Aber – WAS fuer eine Motorradstrecke! Immer auf der einen oder anderen Seite 1000m Abgrund, manchmal steckte sich die Strasse nur ueber einen schmalen Grad, an den hoechsten Stellen Schnee, herrliche Aussicht von eigentlich jedem Punkt der Piste… gaebe es so eine Strecke in Europa waere sie staendig voll von Motorradfahrern! Hier war sie erfrischend leer, man kann ja auch mal auf hupende Monstertrucks verzichten. Wieviele Hoehenmeter wir heute zurueckgelegt haben und wie hoch die Paesse waren, darueber streiten Knut und ich im Moment noch. Ich sag Bescheid sobald ich Recht hab.

Und ich muss jetzt bei allem Sarkasmus und aller Laesterei (ohne die ein Blog ja auch nicht richtig lesenswert waere) sagen: Was die Inder hier groesstenteils in Handarbeit in die Berge zimmern ist eine Meisterleistung, und die Strassen waren groesstenteils echt gut befahrbar; wenn man die zahlreichen Baustellen und Stellen mit Steinschlag ausser acht laesst. Im Vergleich zu vor 7 Jahren, wo ich das letzte Mal in Nordindien war hat sich schon was getan, vielleicht doch Schwellenland?! Auch die Leute sehen irgendwie besser im Futter aus.

Nun sind wir in Mussoorie, eine ehemalige Hill Station der Englaender tief im Vorgebirge drin. Netter Ort zum Urlaub machen, auch viele Inder kommen im Sommer wegen der Kuehle hier hin. Ich hab Knut noch auf einen Aussichtsberg gepeitscht, und wir haben uns die Zeit in einem Computerspielesalon vertrieben… was Jungs halt so machen … ansonsten ist hier eher der Affe begraben.

Bei einem meiner schoenen braunen, wasserdichten Wildledertrekkingschuhe ist die Sohle abgegangen.

Ich hab ihn dann zu einem von diesen verzottelten Strassen-Schuh-Wallahs gegeben zum reparieren. Er konnte zwar kein Englisch, hat mir dann aber gleich beide Sohlen vernaeht und die Schuhe mal ordentlich poliert.

Jetzt hab ich schoene rote, nicht wasserdichte Glattledertrekkingschuhe. Auch apart. Und das nur fuer 1 Euro 60.

Februar 23, 2010

Badeanstalt

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 7:13 vormittags

Ach ja, vergesst alles was in den letzten Jahren ueber “Indien als Schwellenland” und wirtschaftlichen Aufschwung usw gesagt wurde… Indien ist nach wie vor allenfalls ein Schwellen- und Schlaglochland. Zumindest hat sich am Strassenbild in den letzten 5 Jahren nicht sichtbar was geaendert.

Was sehr viel Freude macht und mir immer wieder positiv auffaellt (auch wenns einen nerven kann): die Strassen und Gassen leben. Hier findet etwas statt. Und allein die Tatsache, dass das Strassenbild von Kindern und Tieren gepraegt ist … eigentlich ein natuerlicher Urzustand. Aber – wo in Deutschland hat man das noch?

Haridwar  ist eine typische nordindische Stadt, ein bisschen schon das Klischee selber. Mit den bekannten Treppen zum Ganges runter, der hier noch frisch und reissen aus den Bergen niederplaetschert, ein paar Tempeln, Maerkten mit den ewig gleichen Kitsch- und Ramschstaenden, Tuch- und Kleidungsladen (alles in bunt) und den unvergleichlichen indischen Strassenkuechen und Chaiwallahs mittendrin.

Die Stadt gilt als heilig, weswegen auch jede Menge Saduhs rumrennen. In Indien sieht man den Saduh als Mann, der sich durch Askese und Meditation ganz auf das nichtphysische Leben zurueckzieht und innere Weisheit zu erlangen versucht.

Da kann man mal sehen, wie eingeschraenkt die europaeische Sichtweise ist – bei uns wuerden diese religioesen Vorreiter einfach als bekiffte alte,  halbnackte, mit Asche beschmierte obdachlose Penner verkannt werden, ohne Ruecksicht auf die innewohnende Weisheit.

Wobei ich bei dem ein oder anderen auch meine Zweifel hab, was die Weisheit angeht. Zumindest erinner ich mich nicht das ein Saduh in den mittlerweile drei Indientrips irgendetwas schlaues zu mir gesagt haette. Aber natuerlich habei ch auch da nur meinen begrenzten europaeischen Blickwinkel.

Haridwar ist alle 12 Jahre uebrigens der Autragungsort des groessten religioesen Festes der Welt, dem Kumb Melah (daher auch das beruehmte Lied “Kumb melah, my lord, kumb melah …”). Hier kommen nicht weniger als 16 Millionen Inder nach Haridwar, um mal so richtig ausgelassen am Ganges plantschen zu gehen. Eine geniale Moeglichkeit, dieses Volk mal zu waschen! Frage ist, ob der Ganges oder die Menschen nachher schmutziger sind…

Ein Karmapunkt. Da isser.

Wie der Zufall so will findet das Kumb melah gerade jetzt statt, wo wir hier sind… zumindest die Aulauefer davon. So haben wir nicht nur eine paechtig kitschig geschmueckte Uferpromenade und kilometerlang angelegte Badestellen gesehen, sondern auch immense Zeltlager in Vorbereitugn der Pilger sowie ein stattliches Militaeraufgebot, das sich auch nicht nehmen liess die Paesse von uns auf offener Strasse zu kontrollieren. Bevors hier aber richtig losgeht mit Hinduwaschungen haben wir uns aus dem Staub gemacht und sind weitergezogen nach Rishikesh.

Rishikesh. Da klingelt was? Richtig! Hier haben die Beatles ihre spirituell- und chemisch bewusstseinserweiternden Erfahrungen gesammelt. Rishikesh ist DIE Hauptstadt des Yogas und der Ashrams, dementsprechend voll von esoterischen, alternativen Hippies. Wir sind dann gestern mal mit so einem Grueppchen im Innenhof unserer Budget-Unterkunft rumgehangen. Waren auch alles ganz nette Leute, die bestimmt ein ganz schoenes und warmes Weltbild haben und keiner Fliege was zuleide tun. Aber mal im Ernst – die haben alle einen an der Schuessel! Nix gegen Yoga, nix gegen Meditation … aber man kanns auch zu weit treiben. Knut und ich haben uns dann irgendwann ausgeklinkt, als ein fuenfzigjaehriger rastaloeckiger Jesus in einem einstuendigen Monolog erlaeuterte, warum Jesus eigentlich Rastafari und Jamaikaner war, und dass Aethiopier die einzig wahren Juden sind usw. waehrend er sich einen Joint nach dem anderen dreht … vielleicht werd ich fuer solche Konversationen auch einfach langsam zu spiessig…  vielleicht gehen wir einfach morgen Trekken oder Motorradfahren oder so was. Ohne Meditation. Mein inneres Ich finde ich nach eignener Einschaetzung doch eher auf irgendnem Berggipfel oder bei 120 auf  der rechten Spur…

India reloaded – Kueheschubsen 2010 !

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 6:49 vormittags

Es faengt ja schon im Flieger an. Bis Bahrain geht noch alles gesittet, ein paar Scheichs, ein paar vollvermummte Ladys im Flieger, aber alle benehmen sich noch normal. Dann steigen die Inder zu, und man sitzt zusammen mit 300 indischen Gastarbeitern aus dem mittleren Osten in einer Maschine. Natuerlich ist man hilfsbereit und hilft den Jungs die Einreisepapiere auszufuellen. Aber das diese dann nicht in die Zeitungstasche im Sitz deponiert, sondern nach dem Verlassen des Flugzeuges mitgenommen werden sollten, darauf koennten sie auch selber kommen. Besonders klassisch der Moment, wo der Flieger auf der Landebahn in Delhi aufgesetzt hat und zeitgleich der ueblich Spruch “please remain seated till the Flugzeug erreicht the final position” … fuer mindestens dreissig Inder eine direkte Aufforderung, sofort aufzuspringen und in den Gepaeckfaechern zu wuehlen. Was einen wutentbrannten, jaehzornigen, ebenfalls indischen Steward mit hochrotem Kopf dazu brachte die Passagiere anzuschreien, sie moegen sich sofort wieder hinsetzen, und “… if you do this in Europe or Canada they come and clap your hands!” ( – mit der Gestik von “Handschellen anlegen” – ).

Ach ja, wieder da!

Aber das wirkliche Indien-feeling kommt auf, sobald man aus dem Flughafen rauskommt und diese unvergleichliche Luft riecht. Indien, das Land der 1000 Gerueche (bzw 100 Grueche und 900 Gestaenke) … Fett, Gewuerze, Strassenstaub, Abgase, Exkremente, Tiergerueche…  dazu die immerwaehrend plaerrende Hindimusik und irgendjemand im Hintergrund, der meint in ein Megaphon meditieren zu muessen, dazu die Kakophonie der Strassenverkehrsordnung nach der Laut-vor-Leise-Vorfahrtsregel… die ewige Anquasselei zwischem netten “Hey-Mister-shake-hands”, bettelndem “Give me one Rupee” und nervigem Schlepperverhalten…   ich weiss immer noch nicht warum ich den Quatsch eigentlich mag … aber schon im Taxi in die Stadt (zusammen mit 2 anderen Backpackern, 4 Taschen und Gitarre) kommt Knut und mir ein dickes Grinsen aufs Gesicht – ja, wir sind wieder daheim! Rein in die Scheisse! :-)

Das wir mittlerweile alte Hasen sind haben wir in Dehli schon ganz gut demonstriert – nix mit ueberteuerte Taxis andrehen lassen, und auch der Taxifahrer, der sich fleissig bemuehte uns mit irgendwelchen Argumenten (“eigentlich sei sein Taxi nur fuer 3 Leute” bzw “Taschen kosten aber Extra”) zusaetzliches Bakshish aus der Tasche zu ziehen stiess auf taube Ohren. Da kann ja jeder kommen! Spricht ja nix dagegen den Leuten ein ordentliches Trinkgeld zu geben. Aber a) sind Taxifahrer eh eher wohlhabend im Vergleich und b) laesst man sich ja auch schon aus Prinzip nicht gern bescheissen.

Glorreich war dann der Durchmarsch durch Delhi – kaum ankommen stellten wir fest dass es mit dem Schlafmangel gerade noch so geht und dass der taeglich fahrende Zug in 15 Minuten abfaehrt. Da Ticketkaufen und -reservieren eine Sache ist, die ohnehin sonst einige Zeit in Anspruch nimmt sind wir einfach zum Zug und haben uns zum Schaffner schleppen lassen und die Leidensmine aufgesetzt; und er hat wirklcih ohne weiteres Aufhebens zwei Plaetze im Zug fuer uns gefunden UND (und jetzt kommt der wirklich interessante Part) hat einen vollkommen korrekten Preis berechnet, und nicht mal ein Trinkgeld angenommen. Woraufhin wir uns die naechsten 4 Stunden im klimatisierten Wagen von diversen Essens- und Teewallahs vollversorgen lassen konnten, bis wir endlich in Haridwar in irgendeinem schaebbigen Hotelzimmer tot umfallen durften.

Januar 29, 2008

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 9:33 vormittags

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Dezember 25, 2007

Weihnachtsmorgen in Deutschland.

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 7:11 vormittags

 Tja, nun sitz ich also seit einer Stunde am Computer und sortiere meinen Blog ein bisschen, um später mal, wenn ich noch älter bin eine nette Erinnerung zu haben usw. usf.

 Es ist Weihnachtsmorgen, und jeder anständige Mensch schläft noch, und auch Santa dürfte langsam den grössten Teil der Arbeit getan haben; ausser bei den Moslems, die kriegen nix.

 Mein Körper behauptet standhaft, dass jetzt in China schon Nachmittag ist und damit dringend Zeit, aufzustehen und mit Taxifahrern zu streiten oder in die Gegend zu rotzen… aber hier hat dafür wohl keiner so richtig Verständnis.

 Ist ein komisches Gefühl, wieder daheim zu sein. Es gibt schon ziemlich unterschiedliche Welten zur gleichen Zeit auf der Erde. Alles ist wieder sicher und grau in Deutschland, anonym und organisiert, und irgendwie fühlt sich´s auch normal an -bin ja schliesslich hier gross geworden. Irgendwie auch nicht.

 Was die Reise mir gebracht hat? Nun, einen Haufen hungernder Kinder hab ich nicht gerettet; und ich habe weder die Erleuchtung gefunden noch die Weltformel.

 Nicht mal ”mich selber” hab ich gefunden (wie es immer so schön  heisst). Allerdings zweifle ich mittlerweile auch daran, mich überhaupt verloren zu haben, das ist doch schon mal was.

Nein, Reisen ist zum Einen eine gute Möglichkeit, aus einer kurzen Zeit eine sehr lange zu machen. Die Erfahrungen und täglichen Herausforderungen stellen einen vor immer neue Aufgaben, und das Routineleben, dass die Tage daheim zu einem Einheitsbrei werden lässt kommt einfach nicht auf.

Es ist alles viel dichter und echter.

Ich hab gerade meinen eigenen Blog überflogen und war Selbst erstaunt, wie viele faszinierende Dinge ich wirklich erlebt und mitgenommen habe; und in wievielen Lebenssituationen ich wahrscheinlich auf diese Erfahrungen zurückgreifen können werde, und sei es nur als nette Anekdote. Das ist der eine Punkt.

 Zum Zweiten gibt es Selbstsicherheit. Sicherheit nicht nur im Umgang mit Situationen und Gegebenheiten, sondern auch im sozialen Umgang und im Thema Selbstüberwindung.

 Man muss sich immer wieder auf die Probe stellen, immer wieder neue Menschen -Reisende wie Locals- kennenlernen und mit ihnen klarkommen. Und stellt immer wieder fest, dass es klappt.

Klar, kann man auch Reisen ohne den ganzen Heckmeck. Auch nach Asien. Budgetmässig ist man mit ein wenig mehr Geld bei einer organisierten Tempelglotzertour dabei und schläft in bequemen Luxushotels… aber, hey … ich glaube, dass ist nicht ganz das, von dem ich rede…

 Man lernt drittens soviele alternative -und gleichberechtigt gute- Arten zu leben kennen, dass es fast eine Erleichterung ist zu Wissen, dass man zur Not nicht auf unsere spassarme Leistungsgesellschaft angewiesen ist. Gut, zu wissen, dass man könnte.

  Zum vierten lernt man einfach das Leben an sich wieder schätzen. Es gibt so viele Orte und so viele Situationen, bei denen man sich einfach und unreflektiert nur denkt “geil!”. …und das macht das Leben ja auch ein bisschen aus, oder?

 …ach, es gibt noch viele viele positive Dinge, die ich erfahren habe und mitgenommen habe. Es ist müssig, darüber zu berichten… diejenigen, die derartige Reisen unternommen haben wissen wovon ich rede, und den anderen kann ich die Gesamterfahrung eh nicht in wenigen Worten vermitteln.

Leute, geht reisen!

 Egal, wie alt, egal wie gebunden man im Job oder in der Familie oder wo auch immer ist – es geht immer irgendwie; man braucht nur den Willen dazu! Ich habe genügend Leute kennengelernt, die mit ihrem Reisebeschluss sehr gut gefahren sind, auch wenn “äussere Umstände” dagegensprachen. Probleme daheim relativieren sich aus der Entfernung.

  Und es ist viel weniger gefährlich als man denkt, wenn man sich nicht ganz doof anstellt. Ach ja, und das Geld…: Ab einer gewissen Reisedauer (ca 4Wochen) auch deutlich günstiger als das Leben in Deutschland oder ein Urlaub an der Costa Brava!

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 Und dann bleibt noch zu sagen: Deutschland ist schön, richtig schön. Und ein gutes Land zum Leben. Und genau das sieht man mit ein bisschen Abstand ab und an noch besser!

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 Ich möchte mich natürlich noch bei all denen Bedanken, die mich auf dieser Reise unterstützt, begleitet, gefüttert oder einfach nicht vergessen haben!

 Man kann sich auch schon das ein oder andere Mal ziemlich einsam auf so einer Tour fühlen… aber meisstens kam ich gar nicht dazu, unter anderem dank der folgenden Leute:

 Allen voran natürlich Danke an Knut Send und Steffi Selbach!

 Des weiteren Danke an die Menschen unterwegs (ohne besondere Reihenfolge): Leon Varga (Kuala Lumpur), Tom&Jacko (Pai), Roobin (Beijing), Anton (Yunnan/Beijing), Nora (Pai-Phnom Phen), Tobias Kilian (Bohol), Thorsten Hornung (Singapore), Marcella Femers (Kuala Lumpur – Ko Tao), Djungelguide Tatta (Mt. Leuser), Anne Gosselin (Bogor/Medan), Will (Lijiang), Julia Borns (Siem Reap – Sapa), Ursula (Dali), Felix Gaschik (San Carlos), Claire&Johann und Gunter&Ria und Opa Helmut (Champasak-SiemReap), Kristie (Vientiane), Matthieu (Melakka), Sabine Schmidtke (Jakarta) und alle, von denen ich den Namen nicht mehr weiss oder nie wusste oder die mir grad nicht eingefallen sind und was-weiss-ich-wer-noch-alles!

 Thanx auch fuer die Unterstützung von daheim, die Kommentare und die Mails!

Und jetzt frohe Weihnachten und ran an den Speck!!!

Dezember 23, 2007

Da Capo al Fine

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 10:58 vormittags

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Dezember 22, 2007

Ente gut, alles gut!

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 9:55 vormittags

22.12. Steffi, NakNak und ich waren gestern noch mal ne Runde trekken.
Irgendwelche Spinner haben hier ne Riesenmauer durch die Landschaft gebaut. Und
dabei sinds noch mindestens 8000 Kilometer bis zur DDR … muessen die eine
Panik haben!
Steffis These ist ja, das diese Mauer eigentlich eins von den chinesischen
Staudammprojekten ist. Nur, dass die das damals noch nicht so drauf hatten und
den Damm ueber die Berge und nicht im Tal gebaut haben, wie sichs gehoert.
Wie auch immer – das Ding ist verdammt lang und verdammt gross und an manchen
Stellen auch beeindruckend Steil. Man fuehlt sich oft eher so wie beim
Bergsteigen, wenn man auf der Mauer entlanglaeuft.
Wir haben dann auch nicht die ganze Laenge geschafft, muss ich gestehen…
nach zehn Kilometern haben wir aufgegeben. Dafuer konnte man an der Stelle ein
500 Meter langes Stahlseil mit einer Rolle dran fuer den Abstieg benutzen …
nur, damit man am letzten Tag der Reise auch wirklich noch was hirnrissiges
machen kann.
Die denken an alles, die Chinesen!

Und ausserdem sitzten wir gerade beim letzten Fruehstueck (zugegebenermassen
schon ein ziemlich dekadent-westliches Hotelbuffet) und fahren gleich zum
Flughafen.

Um es mit den Worten von Sir Earnest Shakleton zu sagen: “Maenner, unser
Schiff ist zerstoert, unsere Vorraete schwinden, der arktische Winter steht vor
der Tuer. Wir haben kein Funk und niemand weiss, wo wir sind. Wir haben keine Chance. Und jetzt fahren
wir nach Hause!”

Dezember 20, 2007

Die Schildbuerger

Einsortiert unter: Uncategorized — scholti @ 10:55 vormittags

20.12. Ein interessantes Phaenomen, wenn es Menschen eigentlich zu gut geht: Man will sich gegen alle kleinen Moeglichen Schicksalsschlaege absichern.
Bei Sachen wie Kranken- und Rentenversicherungen mag das ja noch ganz nett gedacht sein … schliesslich ist das Leben voll von wirren, und auch kluge Koepfe haben sich schon mal verrechnet oder eine unvorhergesehene Krankheit bekommen und sind froh, wenn die Haerten des Schicksals dann ein bisschen ausgeglichen werden. Aber auf der anderen Seite neigen wohlhabende Gesellschaften auch gerne zur Uebertreibung, was diese Dinge angeht.
Soziale Verhaltensregeln werden durch Gesetze ersetzt, und Freiheiten werden durch Regel und Hinweise eingeschraenkt, weil es ja immer diese wenigen geben koennte die die Regeln mutwillig brechen. Und die allgemeine Faehigkeit zum Mitdenken wird gerne auf ein Mindestmass reduziert, um ungewollte Eventualitaeten, die der menschliche Geist ob einer falschen und irrationalen Nutzung seiner Freiheiten zum Unwohl seiner Selbst und der Allgemeinheit verueben koennte auszumerzen.

China zum Beispiel ist ja ein wohlhabendes Land, wenn man so den asiatischen Masstab anlegt.
Und die Chinesen neigen dazu, ein Meer von Schildern aufzustellen, damit man auch fuer alles geruestet ist. Beim Trekken in Dali standen z.b. ueber knappe 15 Kilometer steinerne Hinweisschilder am Wegesrand, die einen alle paar Meter darauf hinwiesen “Kein Feuer” “Fallende Steine” “Nicht klettern” “Achtung Abgrund” und wieder von vorne… danke fuer das Naturfeeling. Ich weiss nicht, aber wenn ich trekken gehe … also zu Fuss den Bergkamm entlang – und dann nicht weiss das in einem Bergkamm von der einen Seite Steine kommen koennten die an der anderen Seite wieder herunterfallen koennten..?! Wo ist da die natuerliche Selektion? Und by the way: Kennt ihr die Darwin-Awards? –> www.darwinawards.com …viel Spass!

Oder Schilder, die an einem den Hang herauffuehrenden Weg stehen und sagen: “Achtung, der Weg koennte Steil sein”. Danke, danke.
Manchmal denkt man wirklich, die halten einen -tschuldigung- fuer zu bloed zum kacken!
Wenn in Laos irgendwo mal einer ein Schild aufgestellt hat, dann wusste man auch gleich: Dieses Schild ist ernstzunehmen, dieses Schild macht Sinn, dieses Schild gehoert da hin. Allein schon, weil der Standartlaot an sich viel zu faul ist, um auch noch nutzlose Schilder aufzustellen.
Wenn man sich dann klarmacht, dass das in Deutschland gar nicht so gross anders ist… danke fuer die zahllosen Hinweise “Kurve links” oder “Ueberholverbot” – wer beachtet den Mist schon?! Auch da, wo kein Ueberholverbot ist braucht es doch ein abschaetzendes Auge, ob man ueberholen kann oder nicht, oder? Und wer blind ist, sollte eh nicht Autofahren. Der kann dann ohnehin die Schilder nicht lesen.

In China machts vielleicht wirklich ein bisschen mehr Sinn, den Leuten am Pissoir zu sagen, dass sie eine bessere Trefferchance haben wenn sie naeher treten (auch ein Schild) oder im Sommerpalast bitte keine Knallfroesche oder Schusswaffen dabei haben sollen. Die Leute sind allgemein … na ja … ich sag mal vorsichtig: Nicht darauf erzogen worden, gross mitzudenken. Wirtschaftsmacht China: Ja. Aber nur, wenn an der Spitze Leute stehen die sagen wo’s langgeht. Kein Wunder, dass China vor allem mit geklauten Produkten reich wird und wenig genug eigene Innovation einbringt. Das ist uebrigens nicht nur meine Beobachtung, sondern wurde mir von mehreren ortsansaessigen Weissen auch so erzaehlt.

Und: Freundlich sind sie, hoeflich, angenehm. ja. Aber nicht Ruecksichtsvoll. Definitiv nicht! Die registrieren nicht mal, wenn sie einen ueber den Haufen Rennen/Fahren oder einem (so richtig) auf den Fuss treten oder einem den Gepaecktrolley mit Anlauf in die Haxen fahren oder sich in irgendeiner Schlange vordraengelen. Die gucken einen wegen so was nicht mal an!
Sagen uebrigens umgekeht auch nichts, wenn man sie umrempelt. Hab ich probiert. Klappt.

Steffi hab ich auch wiedergetroffen hier in Peking.
Die Stadt ist krass gross. Kommt einem wahrscheinlich groesser vor, weil man in dem Smog nicht wirklich weit sieht. Aber wir haben heute vom Stadtkern aus satte 90Minuten mit dem Rad gebraucht, bis auch nur die Haeuser kleiner wurden. Und man kann hier wirklich ziemlich fliessend Radfahren, dank reichhaltig ausgebauter Fahrradstrassen.

Irgendwie sind wir beide ein bisschen Reisemuede … das passt ja auch perfekt. Heute der Sommertempel, morgen noch die grosse Mauer. Endspurt. Und ansonsten gammeln wir mit netten Leuten in westlich orientierten Bars rum und leben noch mal in kapitalistischer Dekadenz (nur, um die Vorurteile der Chinesen zu bekraeftigen).

Unsere schoensten Tagesmottos:

“Wir muessen aufhoeren, weniger zu trinken!”
und
“Nicht essen, wenn man Hunger hat. Essen, wenn man nicht mehr Satt ist!”

Also, wie gesagt, wenn man anfaengt, die Locals auseinanderhalten zu koennen weiss man, es ist Zeit heimzugehen!
Mein Flugzeug fliegt auch ohne Ozon!

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