Zugfahren in Indien ist ein Kapitel fuer sich, und, ich moechte es gleich vorrausschicken: In keinem Land der Welt macht Zugfahren mehr Spass als in Indien!
Die Indische Bahn ist der groesste Arbeitgeber der Welt, wobei eine nicht geringe Zahl Angesteller damit beschaeftigt sein muss, die interne Buerokratie zu verwalten. Um ein Ticket zu bekommen muss man eine hoch einstellige Zahl von Stunden in einer Warteschlange verbringen, um sich eine Reservation zu machen, dann eine weitere Zahl von Stunden um das Ticket selber zu kaufen. Langstreckentickets gibts nur mit Reservierung, und die sollte mindestens 2Tage vorher stattfinden, sonst gibts wahrscheinlich kein ticket mehr, es sei denn man bekommt ein Ticket aus dem Notfallkontingent (gleiche Leistung fuer mehr Geld) oder aus der “Tourist Quota” – Reservierte Plaetze fuer Touristen. Oder man schummelt, macht das ganze ueber eine Travel Agency und zahlt halt n Euro mehr und spart sich den ganzen Scheiss.Wir sind da ehrlich gesagt ein wenig faul geworden…
Es gibt 7 veschiedene Klassen, von Holzbank zu klimatisiertem Schlafwagen mit eigenen Abteilen ist alles drin, je nach Budget. Unser All-time-favourite ist der Sleeper-3-tier non AC, auf deutsch: Schlafwagen mit 3 Betten uebereinander, alles durch einen offnen Gang miteinander verbunden, keine Klimaanlage. Hat man sein Ticket und seine Reservation, haengt an jedem Wagen eine ausgedruckte Liste mt den namen, und erstaunlicherweise ist das alles dann super zuverlaessig. Die Zuege sind so lang, dass sie fast in zwei Bahnhoefen gleichzeitig halten koennen. Oft halten sie aber auch einfach auf freier Strecke ohne erkennbaren Grund. Dann kann man Aussteigen, sich die Beine vertreten und im Anfahren wieder Aufspringen.
Und warum ist Zugfahren nun toll?
Nun, da standen wir also in Rishikesh vor unserem Zug nach Kashmir. Auf dem Bahnsteig bereits haben wir zwei nette Israelis kennengelernt, die ich auf Ihre Yogamatte angesprochen habe. Spontan habe ich eine Yoga-Lehrstunde am Bahnsteig bekommen, sehr zur Freude der herumstehenden Inder. Ich habe es also doch noch geschafft und Yoga in Rishikesh gemacht! Ich kann jetzt endlich mitreden!
Im Zug haben wir dann noch drei Japanerinnen kennengelernt, die absolut das Klischee verkoerperten: Schuechtern, 1,5m gross, staendig am Photographieren und maessiges bis beschissenes Englisch, aber irgendwie nett.
Na, und dann sitzt man da und schaut aus den vergitterten Zugfenstern ohne Scheibe, oder setzt sich einfach in die offene Tuer und geniesst die Landschaft. Stendig rauschen irgendwelche Wallahs durch den Zug und versorgen einen mit Chai, Wasser, Snacks oder ganzen Mahlzeiten. Zwischenzeitlich haben wir ein kleines Konzert fuer den Wagen gegeben, mit Gitarre, Knut an der Mundharmonika und einem Israeli auf der Bambusfloete. Dann kamen immer wieder Inder und spielten mit Lieder auf ihrem Handy vor, die ich dann bitte nachspielen sollte. Zwischenzeitlich wurden wir in ein Indisches Kartenspiel (aehnlich “Wizard”) eingebunden, das ein Pulk Informatikstudenten nebenan ausgelssen gespielt hat. Und staendig wird einem von irgendwem irgendwas Angeboten, Kekse, Zigaretten, Bananen … kurz und gut, es ist einfach eine tolle Stimmung in diesen Zuegen, und es passiert staendig irgendwas. Und manchmal kann man sogar schlafen.
Auf jeden Fall koennte sich die Deutsche Bahn mal ein Stueck von der Freude am Fahren abschneiden… in unseren Grossraumwagen setzten sich die Menschen ja wirklich nur nebeneinander, wenn kein Zweierplatz mehr unbelegt ist…
Dann wuerde die Deutsche Bahn sogar vielleicht irgendwann schwarze Zahlen ohne Subventionen schreiben. So wie die Indian Railways.












